Über Verzweiflung, sterbende Hoffnung und einen Flughafen, den es gar nicht gibt.

Gestern war wieder so ein Tag, der so traurig endete, dass ich nicht wusste, wohin mit meinen Gefühlen und deswegen schreibe ich diesen Text.

Weil ich wach lag und nicht einschlafen konnte, ein bisschen wegen der Wut und der Streit mit meinem Mann, aber vor allem wegen den landenden Maschinen.

Wir wohnen in der Einflugschneise von Tegel. Einem Flughafen, des es eigentlich nicht mehr geben sollte. Aber weil der BER seit fünf Jahren „in zwei Jahren“ eröffnet wird, ohne dass diese zwei Jahre jemals vergehen, und die damit verknüpfte Schließung von Tegel immer weiter ins Ungewisse rückt, gibt es Tegel immer noch. Mit zunehmendem Flugverkehr.

Wir wohnen sogar 20 km entfernt vom Flughafen, so weit, dass die Flugzeuge fast nicht stören, wenn sie starten. Wenn sie landen, sind sie aber doppelt so tief und doppelt so laut. 55db habe ich gelesen, sollen es bei uns sein. Klingt gar nicht so viel. Wäre wohl auch außerhalb des Bereichs, der Lärmschutz erhalten würde, den es ja für Tegel-Anwohner zurzeit ohnehin nicht gibt, weil der Flughafen ja eigentlich längst weg sein sollte.

Es gibt ja viele Leute, die sich an solchen Lärm gewöhnen. Wie einige unserer Nachbarn. Und es gibt die, die das nicht können, so wie wir. Am Schlimmsten ist es bei meinem Mann. Er kann nicht weghören, sondern hört, ohne es zu wollen, immer schlimmer hin. Für ihn ist das Geräusch eines landenden Flugzeugs inzwischen Auslöser eines Gefühls von Ohnmacht und Verzweiflung. Wirklich tiefer Verzweiflung, die alles verschlingt.

Die Diagnose

Als das angefangen hat, 2013, ist er zu verschiedenen Ärzten und Therapeuten gegangen, weil er sich so schlecht gefühlt hat und dachte, vielleicht liegt es an ihm.

Erfahren haben wir, dass Fluglärm Depressionen auslösen kann und man aber kaum etwas machen kann, solange der Lärm da ist. Außer Antidepressiva verschreiben.

Die nimmt mein Mann jetzt seit vier Jahren. Damit geht es, irgendwie. So gut, dass es keiner sofort merkt. Keiner weiß es, außerhalb der Familie. Das Stigma ist zu groß, die Angst die Arbeit zu verlieren, wenn es jemand erfährt. Wenn ich morgens am Bahnhof stehe und auf die Bahn warte, gucke ich mich um und frage mich, wie viele der Menschen um mich herum vielleicht auch heimlich an Depressionen leiden, durch den Fluglärm verursacht, ohne dass es jemand weiß.

Leiden tut man darunter auch mit Antidepressiva. Bei meinem Mann ist es bei landenden Flugzeugen besonders schlimm. Wenn man den Lärm spürt, wie einen Angriff, den man nicht abwehren kann. Und bei allen Zeitungmeldungen rund um TXL und BER. In den letzten Tagen gab es wieder welche: „Auch in diesem Jahr wird kein Eröffnungsdatum des BER genannt“, „weiter Probleme mit der Brandschutzanlage“, „Dobrindt jetzt auch für Offenhaltung Tegels“, „BER zu klein, deshalb muss Tegel offen bleiben“.

Gestern hat mein Mann die Meldungen nicht einmal gesehen, so klein waren sie. Er kam nach Hause und hat mit den Kindern im Garten Fußball gespielt und gelacht. Die Sonne schien, ein schöner Abend. Bis ich ihm von den Artikeln erzählte. Da wurde sein Gesicht düster, er wurde wütend, er schrie mich an „Warum erzählst du mir das?“.

Wir stritten. Weil es nicht meine Schuld ist. Aber ich ihm trotzdem die gute Stimmung ruinierte. Wir drehen uns immer im Kreis bei diesen Streits, weil ja keiner von uns etwas ändern kann, an der Situation. Aber wie wir damit umgehen, das ist unterschiedlich, also streiten wir darüber. Irgendwo muss seine Wut ja hin. Dabei streiten wir sonst eigentlich nie. Nur, wenn es um Flugzeuge geht.

Dann drehte auch noch der Wind. Flugzeuge im Landeanflug. Unser Sohn wollte sich gerade noch einen Gutenachtkuss abholen. Stattdessen erlebte er einen Vater, der Dinge durch die Gegend warf, in die Luft boxte und laut schrie. Einen Vater, der ihm Angst machte. Was er natürlich nicht wollte. Wenn er weiß, dass die Kinder in der Nähe sind, unterdrückt er seine Gefühle. Aber irgendwann muss die Wut und Verzweiflung raus.

Ich tröstete meinen Sohn. Immerhin das konnte ich. Meinen Mann kann ich nicht trösten, in solchen Momenten. Er ist dann wütend und traurig und in sich gekehrt und so verzweifelt, dass es ist wie mit einem schwarzen Loch. Jedes Lächeln wird verschlungen. Ich gehe ihm dann aus dem Weg. Und liege im Bett und weiß nicht was ich tun soll und das bringt auch mich an meine Grenzen.

Wieso ziehen wir nicht weg?

Weil wir hier zuhause sind und unsere Kinder kein anderes Zuhause kennen. Hier sind Schule und Kita, alle Freunde und die Verwandten in der Nähe. Hier ist ihr Garten mit Trampolin und Kletterhaus, hier sind die Nachbarskinder, die uns immer besuchen, genauso wie die Eichhörnchen. Hier ist das Zuhause, was wir uns immer für unsere Kinder erträumt haben.

Warum steht das in der Einflugschneise?

Wir sind hierhin gezogen, weil unsere Familie in der Nähe wohnt. Als wir 2011 gebaut haben, stand der Eröffnungstermin vom BER 2012 fest. Felsenfest. Und mit ihm die Schließung von Tegel 6 Monate später. Es gab zu diesem Zeitpunkt keinen berechtigten Zweifel daran, dass der Flughafen schließt, bevor das Haus fertig ist. Wir waren keine „Spekulanten“ (schon deshalb nicht, weil die Grundstückspreise nicht günstiger waren, als anderswo im Speckgürtel von Berlin), sondern wir haben auf die aktuelle Rechtslage vertraut, wie man es in einem Rechtsstaat eben tut.

Mit dem Thema Lärm haben wir uns sogar auseinander gesetzt. Wir wollten wegen dem BER auf keinen Fall in den Süden Berlins ziehen, eben um Fluglärm zu vermeiden, weil wir Angst vor sich ändernden Flugrouten hatten, die damals in der Diskussion waren. Und trotzdem haben wir den Lärm vielleicht immer noch unterschätzt. Die Flugzeuge nahmen wir auf dem Grundstück nicht einmal als besonders schlimm wahr, vielleicht auch, weil der Wind zufälligerweise immer richtig wehte, die Flugzeuge immer starteten, wenn wir da waren. Wir wussten auch nicht, dass Fluglärm Depressionen auslösen kann, auch dann, wenn man den Lärm gar nicht als schlimm empfindet.

Es gab damals keine kritischen Stimmen. Es gab ein Gesetz (und das gibt es immer noch), welches besagt, dass Tegel schließen muss, weil zu viele Menschen dadurch belastet werden. Durch Lärm durch Abgase, auch durch die Gefahr, die dieser innerstädtische Flughafen darstellt. Diese Belastung zu beseitigen ist die Grundlage für den Bau des BER. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass dieser gute Grund irgendwann einfach nicht mehr zählt.

Weil es so viele Menschen gibt, die trotzdem sagen „Selbst Schuld, wer in die Nähe eines Flughafens zieht“ (und „kann man doch wissen, dass Politiker ihr Wort nicht halten!“) stelle ich mir manchmal vor, TXL wäre ein Atomkraftwerk, bei dem Strahlung austritt und im Umfeld von 30 km bekämen die Menschen davon Krebs. Im Zuge des Atomausstiegs soll das AKW geschlossen werden, sobald die Stromversorgung durch ein neues Kraftwerk sichergestellt ist. Der Termin für die Schließung steht, also ziehen die Menschen in die Nähe. Und dann gibt es Verzögerungen, die niemand ahnen konnte. Und plötzlich gibt es Menschen, die fordern, dass AKW auch dann weiter zu betreiben, wenn das neue Kraftwerk steht. Weil es ja sein könnte, dass man mal mehr Strom braucht. Und das reicht dann als Argument, um (Hundert-)Tausende Menschen leiden und sterben zu lassen.

Da kann man natürlich sagen: Aber Fluglärm verursacht keinen Krebs. Stimmt. Aber die Krankheiten, die durch Fluglärm ausgelöst werden, Depressionen und Herzkrankheiten können auch belastend und tödlich sein.

Ich bin so froh, dass mein Mann seine Tabletten nimmt und deshalb zurzeit keine suizidalen Gedanken hat. Aber ich frage mich, wie viele Anwohner es gibt, die diese Gedanken in diesem Moment haben?

Also nochmal: Warum ziehen wir nicht weg?

Wenn man ein Haus baut, entstehen eine Menge Kosten, die man bei einem Wiederverkauf nicht zurückbekommt.  Steuern, Gebühren, alles Mögliche. Die Wiederverkaufspreise sind zwar gestiegen, aber die Preise für andere Häuser eben auch. Wir sind Durchschnittsverdiener ohne reiche Familie im Rücken. Wir könnten uns in der Nähe kein anderes Haus leisten. Überhaupt keines mit einem Arbeitsweg unter 1,5 Stunden für eine Strecke. Es ist nicht so, dass wir nicht schon geguckt hätten. Aber es käme nur eine Wohnung in Frage. Also den Kindern den Garten nehmen, ihr Zuhause, ihre Freunde, die eigenen Zimmer. Das wäre die Alternative. Die fühlt sich für uns nicht wie eine Alternative an, sondern so, als würden wir unseren Kindern ihr Glück nehmen.

Das können wir nicht. Wir klammern uns an die Hoffnung, dass es irgendwann vorbei ist.

Und dann sehen wir die Umfrageergebnisse. Zum Glück sinken die Zahlen der Tegel-Befürworter, weil endlich nicht nur die FDP zu hören ist sondern auch die Argumente für die Schließung etwas Raum bekommen. Aber immer noch wollen 60% der Berliner Tegel offen halten. Und während wir immer wütender werden und verzweifelter und trauriger, fragen wir uns, ob diese 60% wissen, was das eigentlich heißt, für die Betroffenen.

Wir gehören nicht zu denen, die „direkt betroffen sind“, wenn es nach den Zahlen der Politiker geht. Wir gehören zu denen, die weiter weg wohnen. Die kein Anrecht auf Lärmschutz hätten. Den wir auch schon selbst eingebaut haben, so gut wir es uns leisten konnten, aber die Geräusche eines landenden Flugzeuges, die bekommen wir auch mit Lärmschutzfenstern nicht weg. Deswegen liege ich im Bett und höre die Flugzeuge landen. Wenn ich abends um 22 Uhr versuche schlafen zu gehen, kommen sie immer direkt hintereinander, alle zwei Minuten.

„Wenn TXL offen bleibt, wird der Lärm gerechter verteilt“, lese ich manchmal, weil ich auch die Diskussionen zu den Meldungen verfolge. Dann müssten die Anwohner des BER weniger leiden. Und natürlich will ich nicht, dass irgendjemand so leidet, wie wir. Das gönne ich nicht einmal meinem schlimmsten Feind. Aber Lärm kann man leider nicht verteilen, bzw. er wird nicht weniger, wenn man ihn verteilt. Wenn die Flugzeuge alle vier Minuten bei uns landen würden und alle vier Minuten am BER, dann gäbe es halt doppelt so viele Menschen, die leiden und keinen einzigen weniger. Lärm kann man nur bündeln, alles andere macht keinen Sinn. Der BER wurde gebaut, um Fluglärm, Abgase und Gefahren rund um Tegel zu beseitigen, weil hier zu viele Menschen davon belastet werden, wesentlich mehr als rund um den BER.

Wir sind wirklich nicht die, die am Schlimmsten betroffen sind, obwohl es sich manchmal so anfühlt. Aber wie muss es erst den Menschen gehen, die in Mietwohnungen noch näher am Flughafen wohnen, die noch mehr Lärm haben und gar keinen Ausweg? Weil eine andere Mietwohnung zu finden in Berlin derzeit fast unmöglich ist? Zehntausende von Menschen, denen versprochen wurde, dass das aufhört. Für diese Menschen muss Tegel schließen. Daran klammern wir uns.

Aber leider sehen das die Berliner nicht so. Deswegen liege ich hier, über mir die Flugzeuge, in mir die Angst. Die Angst, dass Tegel nie schließt und die Flugzeuge bleiben. Mit jedem landenden Flugzeug wird der Kloß im Hals größer, das Gefühl der Ohnmacht schlimmer, die Frage „Wie lange halten wir das noch aus?“ drängender.

Wenn wir doch aufgeben und wegziehen, was ist dann? Werden wir dann glücklicher oder unglücklicher in einer Wohnung, weg von allem, was wir lieben aber vielleicht mit einem weniger traurigen Papa?

Werden die, die nach uns hier einziehen, auch depressiv werden?

Wollen die, die Tegel offen halten wollen, das wirklich? Oder wissen sie einfach nicht, was das bedeutet?

Damit sie wenigstens eine Ahnung davon haben, habe ich diesen Text geschrieben. Um der Ohnmacht etwas entgegen zu setzen. Weil ich sonst nicht weiß, was ich tun soll.

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23 Gedanken zu “Über Verzweiflung, sterbende Hoffnung und einen Flughafen, den es gar nicht gibt.

  1. Martin schreibt:

    Hallo,

    das hast Du ganz bewegend und emotional aufgeschrieben. Ich kann das gut nachvollziehen. Sollte BER jemals öffnen wird es hier wo wir jetzt wohnen lauter als bisher. Auch wir hatten uns vor dem Bauen informiert bis dann irgendwann später die Flugrouten verändert/angepasst wurden. Ganz ehrlich. Es kann keine vernünftige Flughafen Lösung geben . Weder in Tegel noch in Schönefeld. Dass es jetzt Pateien gibt, die sich auf Kosten der Tegel Anwohner profilieren wollen ist wirklich ekelhaft.

    Unterm Strich – zählt die Gesundheit der Familie. Ich weiß,dass ihr an das ganze Geld denkt – dass ihr Euch betrogen und hintergangen fühlt.
    Aber was bleibt den Kids, wenn es Deinem Mann noch schlechter geht. Was nützt der Garten dann? Ich weiß, dass ich hier im Trockenen sitze (noch) und gute Ratschläge geben kann. Aber manchmal ist ja so ein Abstand auch gut.

    Sucht Euch was Anderes. Was würdet ihr machen, wenn eins der Kinder krank wäre?

    Nehmt den Verlust in Kauf. DieFamilie kann das schaffen, zusammen. Einer für alle.

    Auch, wenn es weh tut.

    Martin

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    • einglueck schreibt:

      Lieber Martin,

      Danke für deinen Kommentar. Dass du als Schönefeld-Anwohner Verständnis hast, bedeutet mir viel, weil ich oft das Gefühl habe, die Anwohner von TXL und BER sollen gegeneinander ausgespielt werden.

      Vielleicht machen wir auch wirklich, was du empfiehlst. Wenn es nur um das Geld gehen würde, hätten wir es wahrscheinlich längst gemacht. Aber es geht darum, einen Traum aufzugeben, die Vorstellung davon, wie unsere Kinder aufwachsen sollen. Ich habe auch Angst, dass uns auch der Verlust dieses Traums deprimieren würde.

      Und dann glauben wir nach wie vor daran, dass TXL schließt, schon wegen der rechtlichen Lage. Jetzt aufzugeben und dann vielleicht in zwei Jahren die Schließung mit zu erleben, wenn wir uns in einem anderen Leben arrangieren müssen, das wäre auch sehr hart.

      Im Prinzip sehe ich es also genauso: Die Gesundheit ist das Wichtigste. Aber auch mein Mann will nicht weg. Er hat dieses Haus gebaut, es ist sein Lebenswerk.

      Es ist keine einfache Entscheidung.

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  2. Friedrich schreibt:

    Kann das gut nachvollziehen. Ich war auch einer von denen, die sagten „Och der Lärm stört mich nicht“. Etwa 15 Jahre lang wohnte ich in der Ausflugschneise in Spandau (natürlich ohne Schallschutzfenster, weil die es für TXL nicht gibt). 15 Jahre lang hat es mir nichts ausgemacht. Dann plötzlich fast von einem Tag auf den anderen ging es los mit Schlafstörungen, die immer massiver wurden. Die Verzweiflung wuchs weil nichts half und nach etwa 2-3 Monaten kamen Depressionen als Folge der Schlafstörung hinzu.

    Mein Glück war, dass ich dann sofort einen guten Psychiater gefunden habe, der mich durch die Zeit gebracht hat und dass ich aus der Lärmzone rausgezogen bin. Nach dem Umzug ging es von Woche zu Woche wieder besser. Der Psychiater sagte aber auch, dass man bei sowas auf keinen Fall lange warten darf, denn nach etwa einem halben Jahr manifestieren sich die Störungen.

    Also ich kann jedem sagen, der meint „mich stört es nicht“: sei froh, aber es kann dennoch tatsächlich jeden unvermittelt treffen. Und dann kann man wirklich nur noch wegziehen, so schnell wie möglich. In meinem Fall war das einfach möglich, aber für viele, die ein Haus haben geht das natürlich nicht so einfach.

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    • Friedrich schreibt:

      PS: ich muss dazu sagen, dass ich das in der Anfangszeit auch garnicht auf den Fluglärm zurückgeführt habe. Das wurde mir erst langsam klar, auch als ich merkte, dass ich im Urlaub oder anderswo besser schlafen konnte.

      Ich wünschte daher, dass diesbezüglich viel mehr Aufklärungsarbeit geleistet würde! Wenn solche Störungen über mehr als 2 Wochen andauern, darf man das auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen. Das bedarf dringend einer Behandlung und ist nicht (wie schlaue Ratgeber empfehlen) mit Baldriantee oder sowas so „heilen“.

      Jeder, der in einer Lärmzone wohnt, muss sich dieses Risikos bewusst sein.

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  3. Wolfram Tied schreibt:

    Sie schreiben aus der Seele….wo ich nach Spandau gezogen bin, da war die Flugfrequenz noch gering…alle halbe stunde mal ein Flugzeug….das hat man weggesteckt….aber jetzt zu Spitzenzeiten alle 90 Sekunden so ein Donnervogel…und vorallendingen die alten Prop. maschinen….von diesen gottverdammten billig Airlines…es ist unerträglich und fühle mit Ihnen.

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  4. Klaus D. schreibt:

    Ich bin sicher, dass dies kein Einzelschicksal ist. Es gibt viele Menschen die sich auf das Versprechen der Politik verlassen haben und in den Einflugbereich gezogen sind. Am TXL und am BER gibt es solche Schicksale. Aber denen nun zu raten weg zu ziehen heißt, der Unzuverlässigkeit auch noch die Rechtfertigung zu liefern. Es gibt nur eine Lösung: ein Versprechen muss man halten, TXL muss geschlossen werden!

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  5. CB schreibt:

    Wir wohnen in Pankow in der Einflugschneise und haben ebenfalls im Vertrauen auf die fest angekündigte Schließung Tegels in Eigentum investiert. Und sind jetzt ebenso wie Ihr entsetzt und frustriert, wie hier mit Menschen und Steuergeld umgegangen wird. Der Unterschied ist, dass es bei uns beim Starten viel lauter ist als beim Landen, aber wir sind auch näher dran.

    Tegel ist ein Produkt der im kalten Krieg ummauerten Teilstadt und hat mit dem Mauerfall seine Berechtigung verloren, sobald ein Ersatz da ist.

    Wir prüfen die Klagemöglichkeiten und können nur auf etwas Restvernunft hoffen sowie darauf, dass es nicht noch einen Absturz geben muss, bevor Berlin einmal etwas richtig macht.

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  6. Tom schreibt:

    Der Flughafen Tegel bringt über viele Menschen Unglück. Warum hat man es nicht geschafft, ihn zu entlasten? Ein Betrieb von Mo-Fr in der Zeit von 7-20 Uhr mit einer erheblich geringeren Anzahl Flugzeuge könnte man noch verstehen, doch stattdessen wird täglich bis nach 23 Uhr gelärmt, manchmal auch bis nach Mitternacht und um 6 Uhr geht es wieder los. Das ist pervers und unwürdig. Aber Berlin hat versäumt, eine gute Anbindung in den Süden zu bauen. Die Stadtautobahn ist doch jetzt schon überlastet.

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  7. Sophie schreibt:

    es reicht ja schon, zwei/drei Kilometer weiter weg zu ziehen. So könnte ggf. das soziale Umfeld erhalten bleiben und der Fluglärm deutlich verringert werden. Dann wäre „nur“ noch das finanzielle Dilemma da. Aber vielleicht findet sich etwas bezahlbares.
    Wir sind vor drei Wochen in die Einflugschneise gezogen. Ich hoffe, dass mich der Lärm nicht psychisch belasten wird. Er stört mich nur etwas, nur manchmal.
    Alles Gute für Dich und Deine Familie

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    • einglueck schreibt:

      Ich drücke euch wirklich die Daumen, dass das mit dem Lärm nicht schlimmer wird, also auch mit eurer Wahrnehmung.

      Wir gucken jetzt schon seit Jahren nach Möglichkeiten, im näheren Umkreis außerhalb der Einflugschneise etwas zu finden. Aber das ist nur ein sehr kleiner Bereich, der dann in Frage kommt und bisher haben wir nichts auch nur annähernd bezahlbares gefunden. Im Gegenteil, die Preise sind um ca. 50% gestiegen. Was hier direkt in der Einflugschneise wohl nicht so wäre, wenn TXL offen bleibt, so dass wir beim Verkauf Verlust machen würden, was das Dilemma vergrößert…

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  8. Anne schreibt:

    Ich verstehe das Gejammer nicht, wir wohnen auch in der Einflugschneise. Wenn die halbe Verwandtschaft dort wohnt, dann wusste man doch über den Fluglärm Bescheid. Depressionen bekommt man auch aus anderen Gründen, wenn man aber der Meinung ist, dass das durch den Fluglärm ist, hilft nur eines, wegziehen.

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    • einglueck schreibt:

      Ich verstehe solche Ignoranz ist. Der Zusammenhang der Depression mit dem Fluglärm ist zweifelsfrei durch mehrere Ärzte bestätigt. Darüber hinaus gibt es mehrere Studien (wie auch im Text verlinkt), die hier einen allgemeinen Zusammenhang herstellen: Fluglärm löst Depressionen aus. Ja, nicht bei jedem. Also seid doch froh, dass es euch nicht betrifft (und wie andere Kommentatoren schreiben: das kann auch unverhofft noch kommen. Auch das steht in den Studien: der Stress kann auch da sein und schädigen, ohne das man ihn merkt). Auch macht es doch das Problem von anderen nicht geringer, wenn man das Problem nicht selbst hat. Das ist wie zu sagen „Rauchen verursacht keinen Krebs. Denn ich rauche und habe keinen Krebs.“

      Für mich ist es schon sehr eindeutig, dass die Depression nicht auftritt, wenn die Flugzeuge nicht da sind.

      Die Verwandten wohnen in der Nähe, aber eben nicht direkt in der Einflugschneise. Bei dieser Entfernung zum Flughafen machen schon ein paar hundert Meter einen großen Unterschied.

      Im Text und den anderen Kommentaren ist sehr genau geschildert, warum wegziehen eben nicht einfach ist.

      Was wirklich helfen würde wäre etwas anderes: Wenn dieser Flughafen endlich wie versprochen schließt.

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  9. Realist schreibt:

    Liebe Textverfasserin,
    obwohl ich ein 100%iger Beführworter von Tegel bin finde ich es sehr gut, dass Sie das geschrieben haben. Es ist definitiv die Wahrheit und es sollten meiner Meinung nach beide Seiten etwas mehr Verständnis für einander aufbringen und zuhören lernen. Dass Fluglärm Depressionen auslösen kann wird ja wohl niemand, der klar denken kann, ignorieren. Auch ist es unglaublich traurig, dass dieser Fluglärm derartige Folgen für Ihre Familie hat.
    Nur vermisse ich bei all den Gesprächen um die Berliner Flughafensituation grundsätzlich den Realismus.
    1.) Es stimmt; Menschen wie Sie wurden komplett von den Politikern und dem Staat (Urteil zur Schließen nach BER eröffnung) betrogen! Natürlich musste Sie davon ausgehen, dass TXL nicht mehr existieren wird. Aber dieser Beschluss der Politik und Staatsgewalt war einfach nunmal komplett Falsch!!! An dieser Wahrheit gibt es einfach nichts zu interpretieren und zu rütteln. Berlin (als eine komplizierte Stadt mit der Teilungsgeschichte) brauchte eine gute Flughafenlösung. Diese gibt es bis heute nicht. Die Welt entwickelt sich (Globalisierung) so wie sie es tut, Berlin ist eine Weltstadt und braucht (siehe Analysen) zur Zeit Kapazitäten für 38-39mio Passagiere pro Jahr. Das alles kann entweder an einem „superflughafen“ erfolgen, der komplett außerhalb der Stadt liegt, aber sowohl ans ICE-netz der Deutschen bahn angeschlossen ist als auch an die Autobahnen und noch dazu durch den Öffentlichen Nahverkehr aus allen! Teilen berlins gut und (immer sicher) erreichbar wäre oder durch die Aufteilung auf mehrere Flughäfen, wie einen city-airport tegel und einen BER. Da man in Deutschland einfach noch nie (zu keiner Zeit hat diese Zusammenarbeit geklappt) in der Lage war ein solches Gebilde zu bauen, dass in Absprachen mit der DB/Autobahnen/s UND U bahn etc. irgendwann gut angebunden wäre, ist einfach zur Zeit folgendes Realität: Der BER wurde gebaut, er liegt außerhalb und wird (hoffentlich) einiger Maßen funktionieren und hoffentlich eröffnen. Da aber seine Kapazitäten weeeeit unter dem liegen was benötigt wird (das ist eine Mathematische Gewissheit, auch keine Sache über die man weiter Reden kann; er schafft so wie er jetzt ist 22 mio passagiere und wie oben gesagt haben wir in Berlin grade 39mio) und bis er eröffnet werden es mehr, in 10 Jahren noch mehr (also sollten wir 50mio passagiere pro Jahr in 2025 haben geht es ohne zweiten Flughafen nicht.) braucht es einen weiteren Flughafen. Tegel liegt nunmal nicht wie Tempelhof „komplett in der Stadt“ sondern grade so außerhalb des Zentrums, dass er super erreichbar ist, er ist ziemlich groß für so einen Stadtflughafen und könnte durch gar nicht so viel Geld zu einem Super funktionierenden Kurz-mittelstrecken Flughafen ausgebaut/renoviert werden und den BER unterstützen. Es wurde auch schon längst vor 20 Jahren eine U-bahn Tunnel Verlängerung der U7 von Jungfernheide aus Richtung Tegel gebaut (das wissen Sie wahrscheinlich nicht)…daher ist das Projekt Tegel einfach nicht so leicht von der Hand zu weisen, weil ich wiederhole, Berlin einfach nunmal an die 40mio Passagiere hat (eine Weltstadt!!!! ist).

    Das ändert aber alles nichts an Ihren Problemen, die definitiv da sind und auch ernst zu nehmen. Die Politik hat versagt!!! Komplett! Anstatt (wie ich oben Beschrieb) sich für Berlin eine realistische Flughafenlösung auszudenken und diese auch durchzuführen haben wir nun eine „unrealistische/zu kleine Lösung“ die noch nicht mal fertig ist! Ich finde, das der einzige Weg wäre, dass die Verantwortlichen (und man weiß auf Papieren wer die sind) zur Verantwortung gezogen werden, solchen Leuten wie Ihnen komplett finanziell unter die Arme greifen (eine Stiftung Gründen für auf diese art Geschädigte) und Sie sich ganz schnell überlegen ob nicht doch die Dinge einfach so sind wie sie sind: Berlin ohne Tegel (so wie es LEIDER jetzt aussieht) nicht leben kann und die Konsequenz ziehen, dass Ihnen Ihre Gesundheit wichtiger ist. Das ist sie definitiv und es wird auch in dieser so demokratischen Gesellschaft leider keiner die Verantwortung dafür übernehmen wollen. Das ist traurige Realität.
    Ich habe mir Ihren Text sehr genau durchgelesen; wenn Sie 20 km von Tegel in der Einflugschneise leben, dann ist das entweder Staaken/Dallgow oder Pankow (was ich eher denke). Ich muss Ihnen sagen, dass der einzige Punkt in Ihrem Text, der nicht stimmt ist; dass Sie bei einem neuen Haus (nicht Wohnung) 1,5 Stunden in die Stadt brauchen. In Dallgow und Falkensee leben viele tausend junge Familien, man braucht mit dem Zug in die Stadt 15 Minuten bis an den S-bahnring jungfernheide, und 20 Minuten bis zu Hauptbahnhof. Mit dem Auto 30 Minuten nach Charlottenburg. Das ist alles für eine Stadt wie Berlin gar nichts. Sie finden ohne Probleme ein Haus zum Kauf mit schönem Garten und ohne Lärm und in besagtem Gebiet auch absolut bezahlbar. Das Haus, dass Sie 2011 gebaut haben, zahlen Sie ja sicher per Kredit…d.h. wenn Sie es verkaufen (bsp das haus hat 200.000 gekostet und Sie verkaufen für 240.000….das ist zur Zeit realistisch….) und davon die Restschuld begleichen und einen neuen Kredit in ähnlicher Höhe aufnehmen, haben Sie vielleicht nichtmal eine höhere Belastung als bis jetzt mit der jetzigen Zinslage.
    Alles nichts wo sich jemand einmischen sollte und dafür brauchen Sie viel Kraft, das stimmt. Aber um Ihrer Familie willen: machen Sies!!! Die Tatsachen sind wie sie sind: selbst wenn Tegel geschlossen wird, dann nicht vor 2020 aber wenn Sie das Problem jetzt lösen, dann sind Sie schon 2018 in Ihrem neuen Haus und 2019 haben sich alle dran gewöhnt/an die Strecken/an das neue Baumhaus/an die neuen Nachbarn und die wichtigen Freunde sieht man trotzdem.
    Es gibt viele Kinder, die wegen der Berufe ihrer Eltern 5-6 Mal umziehen mussten im Kindesalter. Auch die werden glücklich. So schlimm ist das nicht.
    Die Tatsachen sind, dass Sie Opfer falscher Politik und falscher Versprechen sind aber je schneller Sie „damit“ leben und Ihre Konsequenzen ziehen, desto besser.
    Es wird (leider) in Berlin nichtmal bis 2020 eine vernünftige Flughafenlösung geben. Das ist so! Zu viel Inkompetenz an den wichtigen Stellen. Das ist so! Darüber kann man sich aufregen und daran unglücklich werden oder es einfach vergessen und sein leben gestalten.

    Ich wünsche Ihnen und der Familie viel Glück und eine hoffentlich baldige Erholung von all dem.

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    • einglueck schreibt:

      Danke für Ihren Kommentar. Über eine vernünftige Auseinandersetzung mit Tegel-Befürwortern freue ich mich wirklich (leider sind die meisten eher beleidigend…).

      Ihre Einschätzungen sind auch nicht völlig falsch. Aber die wichtigsten Punkte meiner Meinung nach schon. Der Reihe nach:

      1. Umziehen. Würden Sie mal versuchen, zum jetzigen Zeitpunkt ein Haus in einem der von Ihnen genannten Gebiete (mit einem Fahrtweg unter 1,5 Stunden in die Innenstadt) für 250.000€ zu bekommen, würden Sie schnell merken: Es gibt nichts. Ja, es mag vereinzelt Objekte in dem Preisrahmen geben, aber die haben alle einen Riesenhaken (mangelnde Anbindung an ÖPNV, Riesensanierungsbedarf, direkt an der Autobahn, was auch immer). Wir gucken nun schon länger und es gibt tatsächlich überhaupt nichts, was nicht diesen Riesenhaken hat und was wir uns dennoch leisten könnten. Zumal ja einige Kosten, die wir schon hatten noch einmal anfallen würden, wie also eigentlich nur weniger Geld zahlen könnten. Ja, im Moment haben wir einen Fahrtweg von 1 Stunde zur Arbeit, was im Alltag gerade so machbar ist. Würden wir in der von Ihnen angegebenen Größenordnung suchen, müssten wir aber so weit außerhalb suchen, dass der Fahrtweg zu weit werden würde. Wie ich schon im Artikel schreibe: uns bliebe nur die Option einer Wohnung und das ist für uns keine richtige Option, weil wir unsere Träume aufgeben müssten und unseren Kindern nicht das Leben bieten könnten, was wir uns für sie wünschen.

      2. Sie sagen, wir brauchen Tegel. Nun, das glaube ich einfach nicht. Sie erwähnen nicht, dass es bereits Pläne gibt, den BER für bis zu 55 Millionen Passagiere auszubauen (http://www.sueddeutsche.de/news/wirtschaft/luftverkehr-ber-verantwortliche-planen-ausbau-nach-eroeffnung-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-170519-99-522103).Und mehr als 55 Millionen – ich glaube, die kommen so schnell nicht. Auch wenn Berlin eine tolle Stadt ist – drumherum ist weder die Wirtschaft noch die Tourismusregion, die einen extremen Zuwachs erwarten lässt. Klar, darüber kann man sich streiten. Aber ich würde sogar sagen: Dann kommen halt im Zweifel ein paar Ryanair-Touristen weniger. Oder die landen in Leipzig oder Rostock. Ist doch anderswo auch nicht anders, Ryanair-Flughäfen sind gerne mal 100km weit weg von der Stadt, in die man will.

      3. Und noch ein Punkt, dem ich widersprechen würde: der Flughafen TXL liege nicht in der Innenstadt. Doch, das tut er. Einen Flughafen, der durch Lärm und Abgase 300.000 Menschen belastet gibt es meines Wissens nach in Deutschland (hier stand mal Europa, weil ich das irgendwo gelesen habe, aber da ich die Quelle nicht finde, habe ich auf Deutschland korrigiert. Dafür gibt es Quellen) nicht noch einmal. Das wäre wie ein Flughafen mitten in Karlsruhe, Augsburg oder Mannheim. Würde doch auch niemand akzeptieren. Waren Sie zuletzt mal in Spandau? Das ist dicht bebaute Innenstadt, die durch Tegel extrem lärmbelastet ist.

      Zusammengefasst: ich kann ihre Argumente zwar nachvollziehen, sie sind aber für mich nicht einmal ansatzweise überzeugend genug, um eine Offenhaltung Tegels zu rechtfertigen.

      Danke für die guten Wünsche. Diese werden vor allem dann in Erfüllung gehen können, wenn Tegel schließt. Einen anderen Weg sehe ich leider immer noch nicht…

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  10. Realist schreibt:

    Gut, dann nochmal meine Meinung zu Ihren Punkten:
    1.)ich habe die Zahl 250.000.€ nicht im Zusammenhang mit dem Neuerwerb eines Hauses gebraucht sondern mit dem Verkauf des Ihrigen. (Habe ich nicht eindeutig genug formuliert) Sicherlich brauchen Sie für ein entsprechendes Haus in der von mir und Ihnen gemeinten Lage 350.000.€ zum Kauf (mehr aber auch nicht). Wenn man davon ausgeht, dass Sie seit 2011 tilgen, also nun bei einer Restschuld von 180.000 bis 200.000€ wären und für 240.000 bis 250.000 verkaufen, dann haben Sie die Möglichkeit das neue Haus zu finanzieren.

    Es ist absoluter Mist!!! Da gebe ich Ihnen Recht!!! Sie verlieren Geld, ja!!! Das sind alles meine Hirngespinste und ich finde es auch nicht richtig dass Sie das „müssten“ weil Sie (so wie Sie in Ihrem Text erklärt haben) natürlich Recht hatten Ihr Haus 2011 dort zu bauen wo versprochen kein Flughafen mehr sein wird. Aber ich wiederhole nochmal meinen ZENTRALEN Punkt (auf den Sie leider nicht eingegangen sind): Es ist so wie es ist!!! Die Politik hat ganz Berlin betrogen. Sie so wie auch die Menschen die dringend eine gute Fluganbindung brauchen. Für alle ist es grade schlecht! Tegel katastrophal überfüllt/ein „guter“ neuer Flughafen nicht in sicht und die Anwohner depressiv. Da geben Sie mir doch recht, oder? Es ist nicht nur für einen Teil des Volkes schlecht.

    2.) Dass es derartige Ausbaupläne für BER geben „Muss“ kann sich jeder denkende Mensch vorstellen weil es ohne nun wirklich nicht gehen wird. gar nicht! ABER: ich habe ja in meinem Punkt dazu „nicht nur“ die Kapazität gebracht, sondern eben „extra“ die Gesamtsituation beschrieben (mit Anbindungen für alle oder?)
    Gibt es eine „Gesamtlösung“ hierfür? (Und Sie haben absolut Recht damit, dass es sicher nicht um die Paar Tausend Touris von Ryanair geht, die dann vielleicht nach Leipzig müssten. Darum geht es niemandem. Berlin ist viel zu groß und hat viel zu viel verschiedene Bedürfnisse als dass man es darauf reduzieren könnte)
    Das mit der Anbindung ist mit das größte Problem dabei auf dass Sie nicht eingehen. Und es gibt dafür keine richtige oder abgeänderte Lösung!!!
    Schon jetzt kommt man über die Stadtautobahn von 11-18 Uhr quasi nicht nach Schönefeld (ich habe es sehr oft probiert…es dauert schon von Charlottenburg über 1 Stunde) und das ist „JETZT“ ….dann mit 10 oder 20 mio passagieren mehr…wie soll das gehen? Und wie gesagt, die haben den BER eben nicht wie Frankfurt oder andere schlaue Städte an der ICE-linie (nach Leipzig zum Bsp.) gebaut, sondern abseits…wie gesagt. Das konnte man doch alles in den 90ern planen, dass die neue Strecke, die von Südkreuz nach Leipzig gebaut wurdeu und der Flughafen zusammenliegen….aber nein. ES GIBT LEIDER KEINE RICHTIGE KOPMPLETTLÖSUNG. Mit Betonung auf „zur Zeit“. Aber dieses zur zeit wird sicher nicht in 2-3 Jahren anders sein (auch nicht durch ein zusätzliches Terminal.) Und ich wage zu behaupten, dass sich das Gesamtproblem auch nicht in den nächsten 10 Jahren lösen wird.
    Gehen Sie doch auf die Gesamtsituation ein?

    3.) und der Punkt ist leider falsch: es ist Stadtgebiet ja!!! das hat aber auch keiner bestritten. Tempelhof lag in der INNNEnstadt, Tegel nicht. und ihr Vergleich mit Karlsruhe/Mannheim etc. funktioniert leider gar nicht, weil diese Stände längst nicht größer sind als nur der Teil Berlins der „Innerhalb“ des S-bahn rings liegt, und Tegel ist „außerhalb“ des Rings….und Spandau und Pankow sind beide auch weit außerhalb. Genau DAS ist eben der Punkt: Man kann Berlin nicht mit anderen Deutschen Städten vergleichen, da die nächst größeren Köln/und München sind (und von den Flächen nicht annähernd wie Berlin)…..sondern eher mit London und Mailand zum Bsp. (von der Fläche allemal wenn nicht von den Einwohnern)….und london hat sehr wohl eine City Flughafen….und selbst die Flüge vom Riesen-flughafen Heathrow landen quasi alle über den Innenstadtteilen Clapham-und westlich (schauen Sie kurz bei googlemaps)…ich bin immerwieder dort und es klingt genau so wie in Spandau nur noch schlimmer weil alle Flugzeuge dort größer sind als Tegel es je hatte und Heathrow viiel viel viel mehr Flüge hat als Berlin (sogar mehr als Frankfurt). Ich dachte (dort stehend) oft an Tegel.
    Wie gesagt auch: Ich sage nicht dass Fluglärm dazu gehört. Das tut es nicht! Manch einer kann damit nicht und das ist sein gutes Recht. (Aber wenn der BER irgendwann öffnet, dann wird der Verkehr in Tegel die Hälfte des jetzigen betragen. Und keine einzige „riesen Maschine“. Ganz ehrlich, das ist nicht soooo schlimm. Quasi jede Großstadt hat so einen Flughafen; Milano-linate, London-city, Rom-ciampino, Moskau (3 flughäfen mit innerstädtischem Anfluggebiet)…von Asien wollen wir nicht reden, da sind die Lebensbedingungen eh unmenschlich. Aber Weltstädte sind eben Weltstädte und nicht Düsseldorf, Mannheim oder München. Das sind keine Weltstädte.

    ich kopiere Ihren Satz: Einen Flughafen, der durch Lärm und Abgase 300.000 Menschen belastet gibt es meines Wissens nach in Europa nicht noch einmal.
    Soll ich wirklich anfangen aufzuzählen? (Wie Sie sagten, es ist gut dass man gesittet miteinander reden kann, aber bei solchem „Quatsch“ muss man sich auch nicht wundern dass manche Leute nicht meine Geduld haben und konstruktiv bleiben sondern beleidigend werden.
    Sich beiderseits nur an Fakten zu halten ist einfach wichtig.

    Das was grade jetzt in Tegel läuft (und was Sie hören müssen) ist in der Tat schlimm! Aber daran ist die Politik schuld und ich würde die dafür zahlen lassen. Ihnen ein neues Haus!
    Darauf kann man auch klagen. Trotzdem würde ich vorher umziehen. Ums Geld geht es eben nicht sondern um Gesundheit.

    Aber jetzt kommt einfach noch eine Sache, die ich in einer Demokratie einfach nicht gut finde: es ist ziemlich offensichtlich so: dass es nicht eine kleinere oder „etwas größere Mehrheit“ für Tegel gibt, sondern eine deeerart große Mehrheit, dass das quasi gar keinen Zweifel lässt. Und das sind garantiert nicht nur „Nostalgiker/verliebte/und andere Urlauber und businessmenschen, die nur um der Gemütlichkeit Willen das so wollen“.
    ahja und wie Sie so schön sagten; ich finde es auch schlimm wie die meisten hier kommentieren und beleidigen!!!! DAS ist keine Demokratie und diese Menschen haben dieses System auch wirklich nicht verdient!
    Sie sind doch nicht böse weil Sie Ihre Ruhe wollen. Und die die Tegel brauchen und da gibt es hunderte verschiedene seeehr gute Gründe (die wir grade nicht erfassen können in angemessener Zeit), die Menschen sind auch nicht böse. Ich finde Demokratie dürfte kein Kampf sein wo der Stärkere gewinnt sein, sondern da wo die Mehrheit sich umfassend interessiert und informiert und den „kompromiss“ findet der für alle am besten ist. (Für igrnedwen wird es immer nicht passen).

    Ich komme nun auf das was wir in Punkt 1 besprachen: ich finde richtiger wäre es definitiv, dass der Staat Ihnen und anderen derart Geschädigten zum Bsp. eine Unterstützung bei Neuhauskauf/Bau von 50.000-100.000€ gibt (als Projekt Tegel-Belastete…einmalig und da hat sich auch kein anderer dran zu stören, denn das ist gerecht, dass solche Familien wie Ihre unterstützt werden). Da kann man sagen, alle die „nach dem Planfeststellungsbeschluss“ dort „gebaut“ haben (also nur aufgrund des Beshclusses) kriegen die Unterstützung wenn sie nun wegziehen „wollen“. weil der Staat selbst die Fehler gemacht hat, die dazu führen, dass Sie in dieser Lage sind. Aber in der jetzigen Lage ist einfach ein Ausbau Tegels plus BER UND SXF offen halten die beste Lösung. Einfach nur die „beste“ und quais für die nächsten 5-10 Jahre die einzig mögliche. Es muss eh eine richtige „Gesamtlösung her“. Es ist für alle gut, aber eine Lösung für „alle“ gibt es nicht, oder? Finden Sie nicht, dass man mit jeder Lösung irgendjemandem schadet?

    Ich finde nur, dass man in einer Demokratie die „vernünftigste“ wählen sollte und nicht die die einem selbst am besten passt. (Dazu nur, ich lebe selbst in der Einflugschneise Tegel und es wäre natürlich schöner ohne den Lärm) Aber für mich ist es gar keine Frage, dass „DAS“ keine Lösung ist „zur Zeit“. Es wäre eine Lösung wenn jemand einen super Flughafen BER aus dem Hut zaubern würde, der wie gesagt am ICE und Autobahn liegt und sowohl von U bahn als auch S bahn angebunden ist und ausreichend „normale terminals hat/ keine Baraken wie jetzt in tegel und schönefeld für easyjet/eurowings/airberlin usw stehen….Sowas gibt es aber nicht und sowas kann leider in diesem Land in unter 10 Jahren nicht gebaut werden.
    Das ist leider eine Tatsache.

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    • einglueck schreibt:

      Ich merke schon, Sie sind sehr tief in der Materie drinnen. Darf ich einmal fragen, was eigentlich ihre „Agenda“ ist? Also warum ist Ihnen der Flughafen so wichtig?

      Da Sie sich gewünscht haben, dass ich auf Ihre Argumente eingehe, will ich das versuchen. Aber vorweg: Ich bin Anwohnerin, keine Flughafen-Betreiberin oder –planerin. Und auch wenn ich versucht habe, das Thema zu verfolgen, so bin ich doch Laie. Mir geht es mit meinem Beitrag in erster Linie darum zu zeigen, was TXL mit den Anwohnern macht. Weil ich finde, dass dieses Argument in der Diskussion viel zu wenig Beachtung bekommt. Ich kann nicht fachgerecht die Probleme und Lösungen einschätzen.
      Aber zu Ihren Punkten:

      „Neues Haus kaufen“

      Sie sagen, wir könnten ein Haus für 350.000€ finden und kaufen, wenn wir unseres für 250.000€ verkaufen. Nein, das können wir nicht. Das konnten wir vor 5 Jahren nicht und das können wir jetzt auch nicht. Die Wertsteigerung unseres Hauses fängt ggf. gerade so die Kosten von Gebühren, Steuern und initialen Kosten, die wir beim Wiederverkauf nicht zurückbekommen werden, auf. Wenn man anfängt, ein Darlehen zurückzubezahlen, zahlt man fast nur Zinsen, nur sehr wenig ist Tilgung. Wir haben also nicht mehr Geld als vor fünf Jahren. Unser Einkommen ist ebenfalls nicht gestiegen. Wir können kein 350.000€-Darlehen abbezahlen.

      „Politik“:

      Natürlich ist in Bezug auf den BER viel zu viel schief gelaufen. Da werden Sie niemanden finden, der das abstreitet. Aber ich bin nicht sauer auf „die Politiker“. Warum auch? Die Regierungen von Brandenburg, Berlin und Bund, also diejenigen, die für den Flughafen verantwortlich sind, stehen zu ihrem Wort. Sie wollen den BER öffnen und TXL schließen, so wie sie es versprochen haben. Sie haben beschlossen, TXL zu schließen, um 300.000 Menschen zu entlasten und weiter außerhalb einen neuen Flughafen zu bauen. So weit, so richtig. Ja, dann ist alles schief gelaufen und das kann man einzelnen Personen anlasten. Aber so schlimm ich das alles finde – in der Form hat das sicher weder ein Wowereit noch ein Platzeck noch sonst irgendwer auf politischer Ebene voraussehen können. Ja, die haben sich bei der Konzeption und Vergabe denkbar blöd abgestellt. Aber auch die sind nur Menschen und hatten vorher nie ein Projekt in dieser Größenordnung abgewickelt. Hier denke ich, dass niemand (mit Ausnahme derer, die bestechlich waren, aber das waren ja nicht die Politiker) etwas „Böses“ wollte und deswegen bin auch ich nicht böse. Eher noch würde ich den beteiligten bestechlichen Personen und auch den Firmen einen Vorwurf machen wollen, weil es den Anschein erweckt, dass sie alles bis ins Unendliche ziehen, weil sie daran verdienen. Aber dann wieder: ich bin zu weit entfernt, um das wirklich beurteilen zu können. Auf politischer Ebene sind die einzigen, denen ich einen Vorwurf machen würde, die Berliner FDP (weil es den Anschein erweckt, dass ihnen die Anwohner komplett egal sind) und besonders die CDU, weil diese die Entscheidung für die Schließung Tegels mitgetragen hat und nun die Nase nach dem Wind dreht, vermutlich in der Annahme, dass man sowieso nicht an der Macht ist und so ein paar Stimmen fangen kann. Dies auf Kosten der Anwohner finde ich extrem unsolidarisch und unverantwortlich. Das stimmt. Aber dann wiederum, was nutzt es mir, böse auf die CDU zu sein? Das löst ja das Problem nicht.

      „Ausgleichzahlung“

      Schöne Idee. 50.000 bis 100.000€ für jeden, der so betroffen ist wie wir. 300.000 Betroffene x 100.000€= 30.000.000.000 = 30 Milliarden Euro. Meinetwegen teilen wir durch 4, weil pro Familie ja nur ein Haus besteht, macht also „nur noch“ 7,5 Milliarden. Jetzt können Sie natürlich noch sagen, so viele müssen ja gar nicht entschädigt werden, weil die, die zur Miete wohnen, die haben ja kein Anrecht… Aber erstens würde ich das auch furchtbar finden (haben die dann einfach Pech gehabt? Oder muss man ihnen nicht auch eine vergleichbare nicht belastete Wohnung organisieren? Wo soll die sein? Und was kostet das?) und dann gäbe es ja auch noch die Vermieter, die dann ja eben ausbezahlt werden müssten. Also wie man es dreht und wendet: Das ist schlicht nicht bezahlbar. Aber trotzdem eine schöne Rechnung, weil es zeigt, wieviel weniger das ganze Gebiet rund um Tegel eigentlich wert ist, wenn Tegel offen bleibt.

      „Verkehrsanbindung“:

      Hier bin ich echt totaler Laie und kann überhaupt nicht einschätzen, ob die Situation so schlimm ist, wie Sie es beschreiben (ich vermute eher nicht, denn ich bin in den letzten 5 Jahren auch zwischen 11 und 18 Uhr nach Schönefeld gefahren und stand nicht im Stau), aber nehmen wir trotzdem an, dass Sie recht haben: Ja, mag sein, dass die Verkehrsanbindung zum BER nicht ideal ist. Ja, ein ICE wäre schön. Aber immerhin gibt es (im Gegensatz zu TXL) eine Bahnanbindung, es muss kein ICE sein. Und sowohl die Straßen-als auch die Bahn-Anbindung kann man ausbauen. Ja, kann auch sein, dass es hier dann ein paar Jahre vermehrt Stau gibt. Dann sollte man eben besser die Bahn nutzen, um zum Flughafen zu kommen. Oder im Stau stehen. Es tut mir leid, aber wenn es auf dieses Argument hinaus läuft: Das reicht nicht. Wenn die Entscheidung ist: Müssen die Fluggäste ab und zu im Stau stehen (bzw. Bahn fahren) oder sind 300.000 Menschen gefährdet, an Depressionen, Herzerkrankungen usw. zu erkranken, dann sollte die Gesundheit der Betroffenen wichtiger sein.

      „Ryanair/Billigflieger/Wachstum“

      Sie sagen selbst „Und Sie haben absolut Recht damit, dass es sicher nicht um die Paar Tausend Touris von Ryanair geht, die dann vielleicht nach Leipzig müssten“. Nun, ich kann jetzt nicht ewig Quellen suchen, aber ein paar tausend trifft es einfach nicht, hier schreibt Ryanair selbst, dass sie in Berlin knapp 5 Millionen Passagiere abfertigen wollen: https://www.morgenpost.de/wirtschaft/article207031643/Berlin-wird-groesste-deutsche-Ryanair-Basis.html
      Auch nicht schwer zu finden sind Quellen, die besagen, dass es das Billigflugsegment ist, welches für die steigenden Passagierzahlen verantwortlich ist (und hier wieder insbesondere Ryanair): http://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/airlines-billigflieger-wachsen-in-deutschland-rasant/19807448.html
      Und deswegen finde ich die Frage tatsächlich wichtig: Brauchen wir die steigenden Passagierzahlen unbedingt? Wofür ist es wichtig, dass diese ganzen Billigfliegerpassagiere zusätzlich nach Berlin kommen? Damit die AirBnB-Wohnungen in Friedrichshain sich rentieren? Für die Steuern, die daraus entstehen? Diese können nicht einmal ansatzweise so hoch sein, wie die Kosten, die ein Weiterbetrieb von Tegel verursacht. Daher würde ich wirklich sagen: Dann müssen die im Zweifelsfall woanders landen.

      „Belastung / Innenstadt“

      In einem Punkt muss ich Ihnen tatsächlich Recht geben: Ich finde keine Quelle dafür, dass Tegel mehr Anwohner belastet als alle anderen Flughäfen in Europa. Das habe ich zwar irgendwo gelesen, finde aber die Quelle nicht mehr und deswegen habe ich es auch in meinem Kommentar geändert (mit dem entsprechenden Hinweis). Klar ist es blöd, so etwas zu schreiben, wenn man es nicht belegen kann. Aber das passiert eben auch mal, wenn man ein Thema diskutiert, dass einen emotional betrifft. Ich habe eigentlich keine Zeit, bei jedem Punkt, den ich meine zu wissen, weil ich es gelesen habe, erstmal die Quelle zu suchen. Aber wahrscheinlich sollte man das, also versuche ich das jetzt. Aber: Es ist eigentlich auch egal. Ob es andere Flughäfen gibt, die genauso schlimm sind oder nicht ist doch gar nicht entscheidend. Eigentlich lernt doch jedes Kind „nur weil jemand anderes etwas Blödes macht, muss ich es noch lange nicht machen“. Und einen Flughafen zu betreiben, der 300.000 Menschen belastet, das ist einfach blöd. Da verstehe ich auch ehrlich gesagt Ihr „Innenstadt“-Argument überhaupt nicht.
      Sie sagen „ihr Vergleich mit Karlsruhe/Mannheim etc. funktioniert leider gar nicht, weil diese Stände längst nicht größer sind als nur der Teil Berlins der „Innerhalb“ des S-bahn rings liegt, und Tegel ist „außerhalb“ des Rings“
      Was definiert denn „Innenstadt“? Doch nicht, dass es innerhalb des S-Bahnrings ist? Haben andere Städte ohne S-Bahnring dann keine Innenstadt? Für mich ist es eine Innenstadt, wenn es dicht bebaut ist. Und das ist das Gebiet rund um Tegel ohne Frage. Insbesondere eben Spandau. Das mag von Berlin Mitte aus Peripherie sein, aber im Ortsteil Spandau liegt die Bevölkerungsdichte bei 4780 Einwohner/km², das ist über dem Berliner Durchschnitt von 3.948 Einw. je km². Und das sollte das entscheidende Argument sein.
      Es geht in dem Vergleich darum, die Anzahl der betroffenen Anwohner zu verdeutlichen und das kann der Vergleich sehr gut. Denn es käme doch wirklich niemand auf die Idee, mitten in diese Städte einen Flughafen zu bauen. Ja, Berlin hat eine größere „Innenstadt“ als die von mir erwähnten Städte. Die Konsequenz kann aber nicht sein, zu sagen „Deshalb ist ein Flughafen da OK“ sondern sie muss sein: Wenn die Innenstadt größer ist, müssen die Flughäfen halt weiter draußen sein. Dann ist der Weg etwas weiter. Und das ist OK.
      Sie schreiben dann „Quasi jede Großstadt hat so einen Flughafen“ (in der Innenstadt) und erwähnen dann Beispiele, die eine komplette andere Metropolregion um sich herum haben. Die vielen Beispiele, die keinen innerstädtischen Flughafen haben, bleiben dagegen unerwähnt. Was ist mit Paris oder mit Amsterdam? Warum sollten wir uns an den schlechten Beispielen orientieren, nicht an den guten?

      „Alle sind für Tegel“:

      Sie schreiben: „es ist ziemlich offensichtlich so: dass es nicht eine kleinere oder „etwas größere Mehrheit“ für Tegel gibt, sondern eine deeerart große Mehrheit, dass das quasi gar keinen Zweifel lässt.“ und meinen, dass deshalb die Befürworter recht haben müssen. Nun ich glaube nicht, dass diese Mehrheit für Tegel deshalb so groß ist, weil die Argumente so einleuchtend sind, sondern weil keine echte Debatte stattgefunden hat. Über Jahre war einzig und allein die FDP mit ihrer Initiative zu hören, die Argumente der Gegner kamen in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vor. Vor allem war fast nichts von den Anwohnern zu hören. Dass dies im Übrigen gerade in der Presse immer noch so ist, finde ich auch sehr bedenklich und frage mich schon, warum sich die Berliner Zeitungen keine Mühe geben, auch die Anwohner zu Wort kommen zu lassen, aber jeder Aussage eines Dobrindts sofort viel Raum geben. Das mag nur Bequemlichkeit sein, aber es ist schon sehr schädlich für die Debatte. Ich glaube tatsächlich, dass die meisten Menschen in Berlin nicht wissen, welche Belastung Fluglärm wirklich für die Anwohner bedeutet, weil sie sich nicht damit auseinander setzen. Das kann ich ihnen nicht mal vorwerfen, man kann sich nicht mit allem intensiv auseinander setzen. Aber deswegen wäre es so wichtig, dass die Anwohner mehr gehört werden. Dass endlich mal klar wird, dass die Erkrankungen Realität sind.
      Im Übrigen: Ein Grund, warum man die Einwohner nicht hört, ist denke ich auch, dass diese keine Kraft und keine Ideen dazu haben, wie sie Gehör finden. Ich kann von meinem Mann sagen, dass ihn seine Erkrankung so viel Energie raubt, dass er nicht in der Lage ist, noch gegen Tegel zu kämpfen. Und wenn man das will: Wie? Einen Leserbrief an die Zeitung schreiben? Das machen ja viele, aber das reicht halt nicht, wenn die Zeitungen das Thema nicht aufgreifen. Ich habe es selbst schon versucht und nie eine Antwort erhalten.

      Sie schreiben „Ich finde Demokratie dürfte kein Kampf sein wo der Stärkere gewinnt sein, sondern da wo die Mehrheit sich umfassend interessiert und informiert und den „kompromiss“ findet der für alle am besten ist.“

      Da stimme ich Ihnen aus vollem Herzen zu, das wünsche ich mir auch. Nur meine Konsequenz wäre eben eine andere als ihre. Für mich sieht es aber im Moment so aus, als wenn die Stärkeren die nicht betroffenen Berliner sind und die Betroffenen darunter leiden müssen.

      Ich empfehle hierzu diesen Artikel aus der Taz (es gibt sie eben doch, die Zeitungen, die auch von dieser Seite berichten): http://www.taz.de/!5423615/

      Darin steht: „Unternähme man nämlich eine Interessenabwägung, käme man zu dem Ergebnis, dass die Interessen der Fluglärmgeschädigten die Urlaubs- und Reiseinteressen der Fluggäste schlichtweg übertreffen. Innerstädtischer Fluglärm macht krank, zum BER nach Schönefeld fahren nicht.“

      Darum geht es. Um nichts anderes.

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  11. tom16321 schreibt:

    Es gibt einige tausende Betroffene so wie damals, als sich die Initiative gegen den Fluglärm Pankow gründete. Im Ergebnis haben wir das Nachtflugverbot, welches man eher Nachstartverbot nennen muß. Aber immerhin. Heute ist es so, daß die Flieger selbst in der Landeeinflugschneise über dem Barnim (Verlauf Autobahn, Schönow/Panketal, Bernau, Ahrensfelde ihre Bahnen so tief wie über der Seestraße ziehen, weil die Warteschleife am Himmel immer länger wird. Dort ist es auch genauso laut, wie in Berlin. Aber die Kommunen werden gar nicht gefragt. Und ja auch hier machen wir uns Sorgen, wann denn nun endlich Tegel dicht macht. Und deshalb ist es ungerecht, daß Brandenburg gar nicht an der Volksabstimmung beteiligt ist.
    P.S. Es ist daher wirklich gut, das Thema übergreifend zu diskutieren, so wie es der B.U.N.D. macht: http://www.bund-berlin.de/Tegel .
    P.S.2: Wenn man schon Depressionen davon beobachtet, dann basieren sie auf einer gesteigerten Reizschwelle, die nennt sich Misophonie. Ich habe einen Angehörigen, der wegen dieser typischen Berliner Fliegerei und auch anderen Störgeräuschen zunehmend ähnlich und verstärkt agressiv reagiert, also „leidet“. Es gibt aktuell ein Projekt dazu auf http://misophonie-aktuell.de/

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  12. Komentator schreibt:

    So viel zu ‚vielleicht schließt er dann doch in 2 jahren‘!!! Vor 2020 wird nicht eröffnet und keiner hier hat auch nur ansatzweise die zeit eingeplant, die es braucht für die erweiterungen/zusätzliche terminals etc…damit BER überhaupt auch nur annähernd allein alles bewältigen könnte!!! Das ist die Realität! Wenn Sie unter diesen Gegenbenheit nicht umziehen wollen (und dann klagen, weil Sie natürlich verarscht wurden) dann sind ‚Sie‘ es die Ihrer Familie nicht helfen wollen. Vor 2025 wird es eine tegelschließung eh nicht geben!!! Und wahrscheinlich auch dann nicht, weil keiner mal eben neue terminals in BER bauen wird. Einfach Realität. http://www.tagesspiegel.de/berlin/diskussion-um-den-flughafen-tegel-ber-eigner-fordern-krisensitzung-nach-dobrindt-aeusserungen/20153548.html

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    • einglueck schreibt:

      „Vor 2025 wird es eine tegelschließung eh nicht geben!!! [….]Einfach Realität.“

      Nein, das ist keine Realität. Das ist Mutmaßung und Angstmacherei. Die Flughafengesellschaft, die es ja am Besten wissen muss, sagt, dass sie dieses Jahr den Eröffnungstermin nennen wird. Ja, diese Flughafengesellschaft hat auch schon andere „Termine zur Nennung des Termins“ verschoben. Trotzdem vertraue ich darauf, dass es diesmal stimmt, weil mich die Erklärungen zum aktuellen Stand (und was noch fehlt) überzeugen. Für mich gibt es mit Herrn Lütke-Daldruo zumindest ein bisschen mehr Verbindlichkeit und klare Aussagen als vorher. Ich hoffe darauf, dass er mein Vertrauen wert ist.

      Dieses Jahr hat noch 4,5 Monate. Wenn der Eröffnungstermin (so wie es immer wieder gesagt wird) innerhalb der nächsten 1,5 Jahre liegt, ist auch das hoffentlich auszuhalten. Vor allem, weil die „Alternativen“ auch kaum auszuhalten sind.

      Ich habe doch auch beschrieben, dass wir uns nach diesen Alternativen umsehen, es aber keine gibt. Eine Haus-/Wohnungssuche ist auch sehr, sehr anstrengend und belastend, gerade dann, wenn man nichts findet. Ein Umzug mit Familie (wenn man dann doch etwas finden sollte) umso mehr, vor allem, wenn er erzwungen ist und nicht gewünscht. Es ist ja nicht nur das packen und der Transport: es bedeutet auch, eine neue Kita finden (oder sehr lange Wege in Kauf nehmen, was als Pendler kaum möglich ist), Schulwechsel (im Zweifel innerhalb des Schuljahres), viele Behördengänge und eben (je nachdem wo man etwas findet) den Wegfall des gesamten sozialen Umfelds.

      Mir zu unterstellen, dass ich meiner Familie nicht helfen will, ist sehr, sehr verletzend.

      Ich tue alles, was ich kann. Ich arbeite, ich kümmere mich um die Kinder und den Haushalt, den Papierkram, die sozialen Kontakte, Reparaturen im Haus. Um alles. Weil mein Mann alle Kraft, die er hat, für seine Arbeit braucht und in der übrigen Zeit nicht viel mehr tun kann, als im Bett zu liegen und „auszuhalten“. Weil er depressiv ist. Wegen Tegel, einem Flughafen der längst geschlossen sein sollte.

      Ich helfe meiner Familie, wo ich kann. Aber ich schaffe es einfach nicht, ein neues Zuhause zu finden. Da enden meine Möglichkeiten und meine Kraft. Und ich fühle mich sehr allein gelassen, wenn mir das dann auch noch vorgeworfen wird.

      Gefällt mir

  13. tom16321 schreibt:

    Die Verantwortung für die Folgen fluggeschäftlicher Tätigkeit lagert der Staat einfach aus, obwohl er das Flugwesen sonst fördert, also eine Verantwortung für die Infrastruktur trägt. Bei den Verfahren zum Neubau des BER wurden Konditionen zum Ausgleich für „Anlieger“ hart umkämpft. Aber sowie ein Geschäft „rollt“ wie es bei Tegel ist, gibt es keine Einflußnahme von Bürgern mehr. Die entsolidarisierte Gesellschaft bietet hier keine adäquaten Instrumente, um für den Alltag solcherart betroffene Menschen gleichberechtigt zu behandeln, also die Lebensqualität trotz widriger Umstände auf demselben Level zu halten, wie bei allen anderen, die das Problem gar nicht nicht haben. Die Problemträger, also Familien, Paare oder gar Einzelne stehen allein im Wind. Ihre Befindlichkeit wird nicht verstanden, denn sie haben keine Lobby und sind somit abseits gestellt. Wer sich meldet, wird als renitenter Nörgler abgestempelt und behandelt. Die Betroffenen müssen sich und ihre Anliegen dadurch laufend begründen und sich selbst fragen, warum sie so viel Pech haben. Ich bin froh, daß es wenigstens diesen Blog hier gibt – ein leises Zeichen im lauten Umfeld.

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