Das beste Brot der Welt (mit weniger als 10 Minuten Aufwand selbst backen.)

Ich liebe dunkles, warmes Brot, am meisten das meines Vaters. Beim Geräusch einer Getreidemühle und dem Geruch von frisch gebackenem Brot fühle ich mich zu Hause.

Trotzdem habe ich nie selbst Brot gebacken, weil ich den Aufwand gescheut habe. Eine Getreidemühle und einen Brotbackautomat anschaffen (und auch noch Platz dafür schaffen) und dann immer gefühlte Stunden mit Mehl mahlen, Teig anrühren und backen verbringen? Das passte nie in mein volles Leben.

Bis mein Vater mir beim letzten Besuch gesagt hat „das geht auch ganz einfach“ (mit gekauftem Mehl und ohne Maschinen) und es mir dann auch gezeigt hat. Und es war wirklich so einfach und das Ergebnis so lecker, dass ich mich frage, warum ich jemals eines dieser Discounter-Backtriebmittel-Pseudobrote gekauft habe, weil ich es nicht zum Bäcker geschafft habe.

Also:

Am einfachsten ist es, wenn ihr von jemandem, den ihr kennt, ein bisschen frischen Sauerteig bekommen könnt. Dann müsst ihr keinen selbst ansetzen. Das ist wahrscheinlich auch nicht schwer (zumindest liest es sich so) und ich habe auch gehört, dass man Sauerteig sogar beim Bäcker bekommt,  aber ich habe keine Ahnung und will nur erzählen, was ich selbst probiert habe. Berliner könnten auch gern Sauerteig von mir bekommen. Ihr braucht nur einmal ein wenig, den kann man ewig verlängern (dazu gleich).

Der Grundteig fürs Brot:

300g Sauerteig
400g Mehl (z.B. Weizen, Roggen, Dinkel, gern Vollkorn, muss aber nicht) 10-15g Salz (nach Geschmack)
300g Wasser (es gehen auch 300g Mehl, 200g Wasser, aber bei gekauftem Mehl immer 100g weniger Wasser als Mehl)

Das Ganze grob zusammenrühren, ca. 4 Stunden an einen warmen Ort stellen (z.B. an die Heizung, auf den Kühlschrank, ins sonnige Fenster, ideal sind so 28 Grad, aber nicht über 40) dann in eine gute eingefettete Form (ich nehme eine eckige Kuchenform) und ca. 60 Minuten (je nach Mehl) bei 200-220 Grad backen. Bis das Brot braun ist und hohl klingt: Fertig.

Was noch besser ist als das Grundrezept: je nachdem, wieviel Sauerteig und welches Mehl ihr nehmt, könnt ihr den Teig auch länger gehen lassen oder das Brot kürzer backen – und so passt es dann auch super in den Tagesablauf, ohne das man das Gefühl hat, das man wartet, dass der Teig endlich fertig ist.

Das „neben dem Job“-Brot

Wenn man arbeitet, kann man schlecht einen Teig vier Stunden gehen lassen, weil die Zeit nach der Arbeit einfach nicht da ist. Deswegen habe ich gleich am Anfang  folgendes ausprobiert (und es seitdem fast nur noch so gemacht):

Morgens um 06.30 Uhr Teig zusammen gemischt:

100g Sauerteig
300g Wasser
400g Dinkelmehl (Vollkorn oder auch mal 1050er)
12 g Salz

Und in der großen Rührschüssel (wichtig: Gefäß muss wirklich größer sein als die Teigmenge, damit nichts überquillt) mit einem Stück Backpapier abgedeckt an die Heizung gestellt.

Abends um 17.30 Uhr (also nach 11 Stunden) den ordentlich aufgegangenen Teig genommen und in die mit Öl ausgepinselte Backform gekippt, in den Ofen gestellt – und nach einer knappen Stunde war das super saftige, leckere (und gesunde) Brot fertig. Das erste war ein bisschen schwer aus der Form zu lösen, zugegeben, aber mit ein bisschen am Rand lang stechen auch kein Problem. Ab dem zweiten habe ich mehr Öl genommen, da flutscht das Brot jetzt einfach raus und auch die Form sauber machen kostet keine Zeit mehr.

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So ein Brot braucht dann also weniger als 5 Minuten Gesamtaufwand. Dafür war es dann so lecker – und mit unter einem Euro für die Zutaten eben auch wirklich günstig (gut, ich habe mir die Kosten für die Energie des Backofens nicht ausgerechnet – aber ich vermute unter dem Preis eines Discounter-Vollkornbrotes bleibe ich immer noch).

Damit man das dann wirklich dauerhaft machen kann, muss man jetzt kontinuierlich den Sauerteig am Leben halten. Aber auch das ist einfach:

Sauerteig füttern:

Wichtig ist, immer etwas des vorhandenen Sauerteig übrig zu behalten (es kann ein großer Esslöffel reichen, aber 100-150g sind besser). Diesen Rest rührt man dann mit ca. 300g Mehl und ein bisschen weniger Wasser (ich habe es nie nachgemessen, aber ich schätze so 250g) zu einem neuen Teig zusammen und stellt ihn wieder für ein paar Stunden an die Heizung. Am besten klappt es mit Vollkornmehl, aber auch mit dem 1050er Dinkelmehl war es kein Problem (je heller das Mehl, desto schneller quillt es und desto weniger lange haltbar ist der Sauerteig). Wenn der Teig Bläschen geschlagen hat und aufgegangen ist, einfach wieder in den Kühlschrank stellen bis zum nächsten Backen. Er fällt zwar im Kühlschrank ein bisschen zusammen, aber das ist normal. Ich mache es eigentlich immer so, dass ich den Teig zum Brot backen (mit Salz) und den neu angesetzten Sauerteig (ohne Salz) zeitgleich gehen lasse. Nach ein paar Stunden backe ich dann den einen und stelle den anderen zurück in den Kühlschrank.

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Auch der Sauerteig übersteht 11 Stunden ohne im Kühlschrank zu sein.

Wenn man einmal die Woche ein Brot backt (bzw. einfach den Teig verkleinert und füttert, wenn man mal nicht zum Backen kommt) wird der Sauerteig auf diese Weise nie schlecht, Vollkornsauerteig kann sich angeblich auch wochenlang im Kühlschrank halten (was ich aber noch nicht ausprobiert habe).

Und was sagen die Kinder dazu?

Mein 4jähriger stand gestern vorm Ofen und hat gefragt: „Wann ist das Brot endlich fertig?“. Danach hat er drei Scheiben gegessen. Seine Schwester auch. Früher gab es oft Streit, wer im Discounter auf den Knopf der Brotschneidemaschine drücken darf. Sie haben gern die Brotschneidemaschine gegen das selbstgebackene Brot getauscht. Und: Sie essen es auch in der Schule/Kita meist auf.  Denn frisches Vollkornbrot schmeckt auch noch ein paar Tagen noch leckerer und saftiger als Backtriebmittel-Brot.

Ach ja, was „das beste Brot der Welt“ angeht weiß ich natürlich schon, dass das Rezept ganz bestimmt nicht das Weltbeste ist (höchstens vielleicht eines der einfachsten), aber das beste Brot der Welt ist für mich einfach eines, das frisch gebacken ist – und wenn es so einfach ist, kann das wirklich jeder selbst…

—-

Ach ja, wer sich noch tiefer mit dem Thema auseinander setzen will, dem empfehle ich das Buch „The Bread Exchange“. Weil hier so schön beschrieben ist, wie man z.B. Sauerteig ansetzt aber auch, warum Sauerteigbrot soviel gesunder ist (was nicht nur was mit „Vollkorn“) zu tun hat.

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2 Gedanken zu “Das beste Brot der Welt (mit weniger als 10 Minuten Aufwand selbst backen.)

    • einglueck schreibt:

      Schön!

      Nachdem ich inzwischen wirklich jede Woche zwei Brote Backe, überlege ich mir das mit dem Automaten doch auch wieder. Allein wegen des wohl geringeren Energieverbrauchs

      Ich dachte nur lange „wenn ich ihn nicht nutze, ist das noch so ne Maschine, die nur rumsteht“. Aber vielleicht gibt es ja so viele, bei denen sie nur rumsteht, dass ich bei EBay eine finde, mit der ich es mal versuchen kann. 😊

      Gefällt 1 Person

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