Über Twitter (Oder: Warum ich hier im Blog nur noch so wenig schreibe)

Gestern habe ich eine Nachricht bekommen, die mich sehr gefreut hat: Dass jemand meine Texte gern gelesen hat und sich über neue Texte freuen würde. Das ist toll! Denn das hatte ich mir gewünscht, als ich angefangen habe, hier zu schreiben.

Was ich mir noch mehr gewünscht hatte, war Austausch. Ideen dazu, wie andere mit den Herausforderungen umgehen, vor denen ich so stehe. Einschätzungen dazu, wie mein Weg wahrgenommen wird. Vielleicht auch das Gefühl, anderen helfen zu können.

Ganz am Anfang kam da natürlich nur sehr, sehr wenig Resonanz. So ist das wohl, wenn man einen neuen Blog startet. Damit es mehr wird, habe ich den Blog geteilt, irgendwann auch bei Twitter. Das hatte ich vorher nie als interessant wahrgenommen, ehrlich gesagt habe ich mich immer gefragt, warum man sich da anmelden sollte: Um eine Nachricht zuerst zu hören? Dazu dachte ich: Wenn etwas wichtig ist, greifen die anderen Medien es ja auf, dann erfährt man es eben ein wenig später.

Und dann wurde ich überrascht. Weil bei Twitter tatsächlich ziemlich viele tolle Menschen sind, die sich zu tollen Themen austauschen. Oft zu denen, die auch mich interessieren. Und jetzt, nach einem halben Jahr bei Twitter, nachdem viele der tollen Menschen, die mich von Anfang an so begeistert haben, mir auch „zurück folgen“ und meine Fragen lesen, kann ich meine Alltagsängste, Herausforderungen, vor allem aber meine Unsicherheiten und Zweifel dort einfach rauslassen. Und bekomme Antworten und Zuspruch und Trost.

Gestern zum Beispiel war ein ganz blöder Tag. Nikolaus. Aber meine Tochter interessierte sich nicht für den Nikolaus, nicht für das neue Schleichpferd, Schokolade oder Bügelperlen. Sie hatte Angst vor der Schule. Sie tobte so sehr, dass sie (unabsichtlich) Anziehsachen zerriss und ging heulend und ohne Frühstück aus dem Haus.

Nicht mehr, weil die Schule ihr inhaltlich so schwer fällt, inzwischen merkt sie, dass sie so gut mitkommt, wie es erforderlich ist. Nein, der Konflikt, den es jetzt gibt, ist fast schlimmer: Da geht es um Freundschaften und sich ausgegrenzt fühlen. Sie fühlt sich außen vor, weil alle ihre Freundinnen ein Hobby verbindet, bei dem sie nicht mitmacht (Leistungssport, 4x die Woche). Aber auch, weil sie nicht mitmacht, wenn andere ausgegrenzt werden. Weil sie von der Lehrerin neben den Störenfried der Klasse gesetzt wird, eben weil sie ihm Grenzen setzen kann, ohne ihn auszugrenzen. Was sie aber wiederum von den anderen abgrenzt. Das sind dann Konflikte, bei denen ich mich frage, welche Schwierigkeiten ich ihr damit mache, dass ich sie zu Empathie und sozialem Verhalten ermutige. Einfacher ist es für sie dadurch nicht.

Also stellte ich diese Frage bei Twitter. Und bekam nicht nur Zuspruch („du machst das richtig!“) sondern auch Lösungsvorschläge und Gedanken („Würde sie es einfacher haben wollen, um den Preis, anders zu sein, als sie ist?“), die ich mit meiner Tochter teilen kann, um es einfacher für sie zu machen.

Das war toll. Es hat mir wirklich geholfen, durch den miesen Tag zu kommen.

Und gleichzeitig ist das eben auch der Grund, warum ich hier weniger schreibe. Weil ich meist schon eine Antwort habe, eine Idee davon, wie ich mit einer Situation umgehe, bevor ich dazu komme, einen Text zu schreiben.

Weil Twitter schneller ist.

Ich habe deswegen schon überlegt, den Blog gleich ganz zu beenden. Weil ich dachte: Es lesen ja doch noch nicht viele mit, da merkt es wahrscheinlich nicht einmal jemand.

Und dann kommt so eine Nachricht, so ein kleiner Hinweis, dass es vielleicht doch anders ist. Und ja, ich habe da doch noch einige Ideen und angefangene Texte, die vielleicht ein bisschen mehr Raum brauchen als die inzwischen 280 Zeichen auf Twitter. Und dann: Ja, zu meinen letzten Texten habe ich auch genau die Kommentare bekommen, die ich mir am Anfang gewünscht habe. Also höre ich erstmal nicht auf, sondern gucke, wo sich das hier hin entwickelt.

Aber wenn ihr euch auch mehr austauschen wollt, Fragen habt, Neues lernen möchtet, dann empfehle ich euch Twitter. Es ist toll da. Ich bin @maynglueck – und ich stelle euch gern ein paar der anderen tollen Menschen dort vor, die ich inzwischen (meist virtuell, aber ein paar weniger sogar „in echt“) dort kennenlernen durfte.

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6 Gedanken zu “Über Twitter (Oder: Warum ich hier im Blog nur noch so wenig schreibe)

  1. Daniela schreibt:

    Hm, auf Twitter als Alternative zum Bloglesen wäre ich nie gekonnmen.Einerseits weil ich dachte, das Medium wäre ziemlich tot und kaum noch jemand Nettes/Hilfreiches/Spannendes dort mehr als pflichtbewusst unterwegs. Mich stören zudem die Geschwindigkeit und Kürze. Aber vielleicht einen neuen Versuch wert, hab Dank für die Sichtweise. Trotzdem: bitte hier nicht aufhören zu schreiben!

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  2. Thomas Tobler schreibt:

    Oh, die Twitter haben viele Namen, man trift sie auch bei blogspot oder facebook. Sie kommen und gehen mit den Moden, mit Glück, Leid, Mißmut und Hoffnung, und mit den Leuten, die sie im Gepäck haben, so wie es auch sonst im Leben ist. Der eigene Blog jedoch, der bleibt. Er merkt sich Zeile für Zeile alle äußeren Wandlungen und trotzt ihnen so, wie unsere Stirn jeder Mode widersteht, und dabei immer eine Falte zurückläßt.

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  3. Antonia Gronau schreibt:

    Vor drei Tagen habe ich deinen Blog entdeckt und nun drei Abende in Folge viele deiner Artikel gelesen – bitte schreib weiter hier, ich bin so berührt und angeregt und aufgewühlt und amüsiert von deinen Texten und deiner Denke und Schreibe, dass ich hier dran bleiben mag. Ich würde mich sehr freuen als ganz neu dazu gekommene Leserin nicht gleich wieder gehen zu müssen. Dafür verfasse ich hiermit sogar meinen ersten Kommentar EVER 😉

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    • May schreibt:

      Oh, Danke! Das rührt und freut und motiviert mich sehr!

      Wenn man so etwas hört, dann ist das das allerallerallerbeste Mittel gegen das gelegentliche „Wozu eigentlich?“, weil es die Antwort gibt. Also wirklich: Danke!

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