Über die Leistungsgesellschaft (oder: Über einen schwierigen Schulstart, Teil II)

Ich hatte ja so gehofft, dass mit der Schule, das wird sich nach ein paar Wochen einpendeln, dann wird das Kind gern hingehen und alles ist gut.

Und dann kam gestern der Anruf des Lehrers. Das Kind liest noch nicht gut genug, wir sollen bitte neben den normalen Leseübungen noch zusätzlich Silbenleseübungen machen. Er gibt uns zwei  Blätter mit, einfach täglich üben. Und, ach ja, das Kind weint. Sehr. Hat es wohl getroffen, dass es nicht so gut ist wie die anderen und extra üben muss. Aber die andere Lehrerin beruhigt es gerade.

Ich hatte nach dem Telefonat erst sogar ein eher gutes Gefühl. Weil er angerufen und es erklärt hat. Weil er nett und ruhig klang und ich dachte, wenn er so auch mit meinem Kind spricht, dann ist das doch gut. Weil er mir auch erklärte, dass das Kind ja schlau sei und in allen anderen Fächern keine Probleme hat „Und in Berlin wäre sie wahrscheinlich Klassenbeste. Aber wir sind halt nicht in Berlin. Hier sind die Anforderungen und das Tempo höher“.

„Hier“, das ist 5 km hinter der Stadtgrenze.

Das ist mir schon früher aufgefallen, das höhere Tempo. Eigentlich schon, bevor mein Kind zur Schule gekommen ist. Daran, wieviel Zeit ALLE (und ja, ausnahmslos alle) befreundeten Eltern aus dem Ort, die schon vor mir Kinder an der Schule hatten, nachmittags zum Üben und Hausaufgaben betreuen der Kinder aufgewendet haben. Wie oft deswegen Verabredungen nicht möglich waren oder es Stress in der Familie gab. Und obwohl ich das wusste, war ich nicht darauf vorbereitet. Vielleicht aus Naivität, vielleicht sogar ein Stück weit aus Überheblichkeit. Weil ich dachte: Bei uns wird das anders sein. Das Kind ist so schlau, das wird locker alles allein lernen. Nein, nicht weil sie schon lesen und schreiben konnte, aber weil sie so toll denken konnte, immer schon. Weiter und schöner und tiefer als alle anderen. Das bekamen wir so oft gesagt, dass wir es glaubten. Und sorglos wurden.

Nur, die Welt verstehen, das ist schön und wichtig, aber das hilft einem eben nicht beim Lesen und Schreiben. Daran hatte sie nie besonders großes Interesse. Ich merke jetzt bei ihrem kleinen Bruder, dass das auch anders geht, dass er nach Buchstaben fragt, Interesse zeigt. Sie nicht. Sie hat gefragt, warum die Menschen Donald Trump gewählt haben, obwohl er doofe Sachen macht, warum Angela Merkel gegen die Ehe für alle gestimmt hat, obwohl sie doch sonst gute Sachen macht, auch mal wie viele Zwanziger sie braucht, um einen Künstlermalkoffer für 35€ zu kaufen, oder wie die Erdanziehung funktioniert, aber fast nie, was etwas für ein Buchstabe ist. Kein Interesse.

Also dachte ich: „Gut, sie lernt es ja in der Schule“.

Und da stehen wir jetzt. 3,5 Monate sind vergangen, seit sie angefangen hat. Und ich bin etwas ratlos. Gestern habe ich versucht, die reguläre Leseübung für alle und zusätzlich die zwei Silbenblätter mit ihr zu üben. Es war unmöglich. Die Silbenblätter gingen noch ganz gut, aber man hat einfach gemerkt, dass ihr danach komplett die Kraft fehlte, sie sich nicht mehr konzentrieren konnte, sie bei jedem Fehler mehr dicht machte. Normalerweise würde ich dann sofort sagen „Das bringt jetzt nichts“ und aufhören. Gestern hatte ich aber den Anruf vom Lehrer im Ohr: „Sie muss mehr üben. Sie hängt hinterher. Sie ist traurig deswegen“. Also versuchte ich sie zu überreden, weiterzumachen. Was bei ihr in Wut und Tränen endete. Es war zu viel. Es ging nicht.

Ich habe dieses Erlebnis getwittert. Was sehr schön war: Viel verständnisvolle Resonanz. Viele, die sagten: „Das ist zu viel. Mach das nicht“. Es wurden mir Artikel verlinkt, die beschrieben, warum es falsch ist, dass Eltern mit ihren Kindern Hausaufgaben machen, was ich direkt nachvollziehen konnte, weil es meinem Gefühl entsprach und dem, was ich bisher dazu gelesen hatte. Ich fühlte mich besser, weil ich mich nicht mehr allein und stattdessen verstanden fühlte.

Nur: Es gab trotzdem keine Lösung. Nicht zu üben geht einfach nicht.

Warum? Da komme ich jetzt nochmal auf den Kontext zurück: Die Klasse.

Die anderen Eltern.

Ich habe das in meinem ersten Text über den Schulstart schon beschrieben, die Eltern, die von sich aus beim ersten Elternabend fragten, was sie denn zusätzlich mit ihrem Kind üben können. Daneben gibt es die, die sich „geschlagen geben“ und sagen, „so ist eben, da müssen wir mit machen“. Es gibt die, die Angst haben, ihr Kind könnte abgehängt werden, und deswegen präventiv ganz viel üben. Dann gibt es die Kinder, die von sich aus Interesse am Lesen hatten und es schon vor der Schule konnten. Und es gibt das eine Kind, deren Eltern andere Probleme haben, und nicht mit ihm üben. Dies ist das einzige Kind, das neben meiner Tochter jetzt zusätzlich üben muss.

Was es nicht gibt: Eltern, die es so sehen wie wir. Die in Frage stellen, ob das Tempo so hoch sein muss und ob das zusätzliche Lernen am Nachmittag richtig und sinnvoll ist. Die sich wünschen, dass Schule Spaß macht und denken, dass Kinder dann am besten lernen.

Dass es diese Eltern nicht gibt, mag mit unserem spießigen Vorort zusammenhängen. Ein bisschen „anders“ gefühlt habe ich mich hier ja immer schon. Und ja, wir haben deswegen auch schon über andere Schulformen nachgedacht. Aber abgesehen davon, dass es da ja auch eigene, andere Schwierigkeiten geben kann, gibt es keine Montessori-, Waldorf- oder Freie Schule bei uns in der Nähe. Während unsere jetzige Schule 100m von unserem Haus entfernt steht, die Tochter allein hingehen kann, wenn sie sich soweit fühlt. Alle Kinder aus dem Ort besuchen diese Schule, damit auch fast alle Freunde der Tochter aus dem Ort. Und: Das Kind will keine andere Schule. Sie mag keine Veränderungen. Ein Schulwechsel wäre auch ein großer Stress. Ist da die Sache mit dem Üben nicht weniger belastend?

Wie wir es also versuchen werden.

Ich hoffe, dass wir einen Weg finden, es weniger belastend zu gestalten. Ich habe den Tipp bekommen, die Silbenübungen im Alltag einfließen zu lassen, in Häppchen, vielleicht probiere ich das aus. Vielleicht versuche ich auch, eine stressfreie Kuschelatmosphäre zu schaffen, mit ganz viel Zeit und da Übungen zu machen, die vielleicht auch Spaß machen. Vielleicht schreibe ich nette Texte für sie, mit den Buchstaben, die sie schon kann: „Meine tolle …, es passt alles mit dir. Lesen, malen, lernen, das ist so super! Mama“. Ich werde gucken, ob es Silbenlern-Apps fürs Tablet gibt (in denen man aber die Buchstaben einschränken können müsste, weil sie eben noch nicht alle kennt).

Vielleicht hat noch jemand von euch andere Tipps?

Was ich auf jeden Fall nicht mehr machen möchte, ist weiter machen, wenn das Kind nicht mehr kann. Das bringt nichts und ist belastend.

Aber am Ende läuft es dennoch darauf hinaus, dass auch wir uns dem Druck und dem Tempo anpassen. Damit beschäftige ich mich neben der Frage, wie wir das Üben gestalten, auch sehr: Was ich tun kann, um das zu ändern. Um irgendwie darauf hinzuwirken, dass auch die anderen sich die Frage stellen, ob es so wie es läuft richtig ist. Ob die wirklich alle wollen, dass die Leistungsgesellschaft in der ersten Klasse (oder früher) so ausgeprägt ist. Und warum? Was wünschen sich all die anderen Eltern für ihr Kind? Einen Vorstandsposten? Oder nur Wahlmöglichkeiten? Dass sie erfolgreich sind? Oder nur glücklich?

Und das berührt dann wieder eine andere Frage bei mir:

Was will ich eigentlich für mein Kind?

Und zack, jetzt macht dieser Text eine kleine Wendung. Denn: Bis hierhin konntet ihr recht sicher sein, dass ich der Leistungsgesellschaft kritisch gegenüber stehe und versuche, meinen Kindern das zu vermitteln und ihnen nicht zu viel Leistung abzuverlangen.

Um diesen Eindruck jetzt etwas zu verwischen, erzähle ich euch von einem anderen Twittergespräch, das ich hatte. Es ging um Eltern, die sich „einfach so“ Lego kaufen und wie unfair das die Kinder finden.  Mein Kommentar dazu: „Mein Mann macht das auch. Inzwischen finden die Kinder das nicht mehr unfair, sehen es aber als Motivation, einen gutbezahlten Job zu lernen..“ und auf die Reaktion „Dafür sind sie ja noch zu klein“ dann auch noch: „Naja, sie können es als Fernziel haben. Meine sind auch 4 und 7. War ein guter Anlass was von Freiheit und Verpflichtungen usw zu erklären“.

Also ums nochmal zu sagen: Ich war diejenige, die was von gutbezahlten Jobs als Fernziel und Verpflichtungen gesagt hat. Hinterher habe ich mich selbst gefragt: Klingt das nicht voll nach Leistungsorientierung? Will ich gut bezahlte Jobs als Zukunftsziel für meine Kinder?

Wie ich hier schon einmal geschrieben habe, will ich für meine Kinder, dass sie herausfinden, was sie glücklich macht und diesem Ziel folgen. Und dass Geld meiner Meinung nach nicht unbedingt das ist, was glücklich macht. So lange man eben genug hat, um seine Herzenswünsche zu erfüllen.

Und das ist der Punkt:

Für mich geht es nicht ganz ohne Geld. Und Leistung an sich ist auch nichts Schlechtes.

Ich komme aus einem Nicht-Akademiker-Umfeld, in dem Geld nie im Überfluss vorhanden war, in meiner Familie hat es aber auch nicht gefehlt. Nur manchmal fehlte etwas die Sorglosigkeit, die es in anderen Familien vielleicht gibt, weil meine Eltern ungelernt und selbstständig waren und wenn es schlecht lief, dann drückte das auf die Stimmung. Ein kaputtes Auto war schon ein echtes Problem. Die Selbstständigkeit meiner Eltern hat bei mir dazu geführt, dass ich nie selbstständig sein wollte. Obwohl sie damit glücklich sind. Ich wollte mehr Sicherheit.

Wenn ich mir für meine Kinder wünsche, dass sie mal einen gut bezahlten Job haben, dann meine ich das damit: Sicherheit. Nicht, dass sie Broker werden und Millionen scheffeln, sondern dass sie einen Job haben, von dem sie leben können ohne sich Sorgen zu machen. Weil ich weiß, wie es ist, diese Sorgen zu haben. Weil Sorgen es viel schwieriger machen, froh und glücklich zu sein.

Und Herzenswünsche sollen sie sich erfüllen können. Lego, wenn es das als Erwachsener noch ist. Oder was es sonst sein mag. Mein Herzenswunsch, mein Ziel, seit ich denken kann, war immer, für mich selbst und eine Familie sorgen zu können und einen Garten zu haben, in dem ich Erbsen und Blumen pflanzen kann. Nichts Großes, eigentlich. Aber ohne einen einigermaßen gut bezahlten Job eben nicht möglich.

Ein Haus mit Garten ist etwas, was man sich heute von einem unterdurchschnittlichen Gehalt (wie man es häufig auch in gelernten Jobs bekommt), oft nicht mehr leisten kann. Es sei denn, man hat eine sehr gute Ausbildung. Um eine solche Ausbildungsstelle zu bekommen braucht man heute, ebenso wie für ein Studium, Abitur.

Das Abitur ist also auch bei uns, wie bei vielen anderen Eltern, erstmal das Ziel für unsere Kinder.

Was nicht heißt, dass es nicht auch anders gehen würde, aber es wäre in jedem Fall ein steinigerer und unsicherer Weg.

Der Weg zum Abitur führt über die Grundschule, die meine Tochter jetzt besucht. Über die Gymnasialempfehlung, die sie später braucht. Und ich sehe die ganzen Hürden, die da noch kommen werden, die Steine, die im Weg liegen werden, schon am Horizont.

Ich finde so vieles davon falsch. Ich würde so vieles im Schulsystem so gern anders machen. Ich kenne es sogar anders, weil ich selbst eine Schule besucht habe, an der es anders war. An der aus jedem Kind das Beste herausgeholt wurde, ohne es unter Druck zu setzen, obwohl das Schulsystem gar nicht so viel anders war als unseres. Es war eine dänische Schule. Vielleicht war es einfach eine andere Grundeinstellung, die man dort hatte und die ich heute so vermisse.

Aber meine alte Schule ist sehr weit weg und ich kann mich (und uns) nicht einfach aus dem System, wie es bei uns jetzt ist, ausklinken. Denn ja: Auch ich will, dass meine Kinder alle Möglichkeiten haben, dass zu erreichen, was ihr Ziel ist, im Leben. Sobald sie dieses Ziel kennen. Und wenn sie erkennen, dass ihr Ziel ist, ganz aus der Leistungsgesellschaft auszubrechen, dann ist das gut so.

Nur sieht es im Moment nicht danach aus. Für meine Tochter steht außer Frage, dass sie einmal studieren will. Sie interessiert sich für forschen, entdecken, für Naturgesetze, Mathe. „Mama, jetzt stör mich nicht, dass interessiert mich, wie die da Brücken bauen! Und welche am stabilsten ist! Und warum!“

Wenn der Weg dahin, dass sie Brücken bauen kann, über Leseübungen führt, dann müssen wir lesen üben.

Damit sie irgendwann vielleicht mal die Brücken ihrer Träume bauen kann.

Und ich überlege mir auch, welche Brücken ich bauen kann. Für sie und alle anderen Kinder, die nach ihr kommen.

Ich werde Gespräche führen, mit den anderen Eltern, mit den Lehrern. Ich werde weiter Verbündete suchen. Ich werde lesen und versuchen zu verstehen, wie lernen funktioniert – und dann mein Wissen weiterzugeben. Ich werde die Menschen, die ich kenne, die sich engagieren, fragen, was ich tun kann.

Aber ich weiß auch, dass ich das System nicht gleich ändern werde. Auch, dass mir die Kraft fehlt, mich da so zu engagieren, wie es richtig und wichtig wäre, weil es einfach zu viele andere Dinge gibt, die mich Kraft kosten.

All das werde ich meinem Kind erklären. Wie ich ihr auch sonst alles erkläre. Weil sie zwar noch nicht sehr gut lesen kann, aber eben sehr viel verstehen. Ich bin mir sicher, dass sie auch das verstehen wird. Und dass es zumindest dazu beiträgt, dass sie nicht mehr unglücklich ist, wenn sie wieder einmal zu den Schlechtesten gehört.

Weil es nicht an ihr liegt. Kein bisschen.

 

 

 

 

 

 

 

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10 Gedanken zu “Über die Leistungsgesellschaft (oder: Über einen schwierigen Schulstart, Teil II)

  1. Frau Traumenit schreibt:

    Leider kommt ihr und auch eure Kinder am System nicht vorbei und leider dauern manche Änderungen so lange, dass man manchmal die falschen Regeln mitspielen muss…
    Dennoch sollte jedes Kind lernen (und deine tun das ja), dass es ein Leben außerhalb der Schule gibt. Eines, wo man freier entscheiden kann.
    Ich denke genauso wie du über Geld, dass Geld Sicherheit bietet – aber wie viel braucht man davon? Welche Ansprüche haben wir, welchen Luxus brauchen wir? Reicht am Ende auch eine Teilzeitstelle, die uns glücklich macht und Freiraum bietet? Deine Kinder werden es rausfinden.

    Ich kann die Ängste von den Eltern verstehen, grundsätzlich ist in Deutschland das Bildungssystem aber so gestaltet, dass man jeden Abschluss über zig Wege erreichen kann. Ausbildung und dann Abitur ist dabei nur eine Möglichkeit.

    Es ist kein Trost, aber deine Tochter kann ja lesen – nur halt langsamer. Und irgendwann wird es gar keinen Unterschied mehr geben. Dann werden andere Kinder langsamer in Mathe sein oder Chemie schlechter verstehen. Viel wichtiger finde ich, dass deine Tochter die Freude behält zu lesen. Neurodidaktisch ist dies ein wichtiger Faktor, um Gelerntes im Gehirn zu verankern. Angst und Wut blockieren das Gehirn. Vielleicht gefallen ihr also Bücher über Brücken oder Comics (hier ist ja weniger Text und man hat trotzdem das Gefühl, der Handlung folgen zu können). Was ist denn deine Tochter für ein Lerntyp? Scheinbar kann sie eher übers Gehör Wissen aufnehmen. Also lerne doch Silbentrennen erst übers Hören (und ja…ruhig mitklatschen… selbst wenn es inzwischen verpönt ist), damit sie ein Gespür für Sprache entwickelt.

    Als Kinderfreie kann ich nur immer staunen, welcher Stress sich gegenseitig gemacht wird, warum nicht alle Eltern auf den Tisch hauen und sagen: DANN WIRD HALT LANGSAM GELERNT UND NACHMITTAGS GESPIELT! Vielleicht weil wir schon alle viel zu lange selber in der Maschine der Leistungsgesellschaft sind…

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  2. Fujolan schreibt:

    Sie klingt nach einem Kind mit starker Eigenmotivation. Und Ehrgeiz.

    Bei Lesen Lernen gilt nun mal leider „Augen zu und durch.“ Es muss passieren, da gibts leider keine Umwege.

    Wie wäre es, wenn du mit ihr besprichst, wann und wie sie gut lernen kann? Damit sie Anregungen geben kann für das Lernumfeld, das es für sie erträglich macht.

    Und mit ihr ganz klar besprichst:
    Lesen lernen ist jetzt gerade doof und anstrengend und es ist blöd, dass die anderen Schüler und die Lehrerin nicht auf dich warten – das ist UNGERECHT. Lesen lernen strengt dich an – mehr als andere. Aber Lesen Lernen ist das Wichtigste, damit du Brücken bauen, forschen, studieren kannst. Ist leider so.
    Überlege, ein klares überschaubares Zeitziel zu setzen. Nicht zu hoch zu greifen, als nicht „dann kannst du alle Worte lesen“ sondern „dann haben wir 1x alle Buchstaben durch“.

    Hierso: Flüssiges Lesen erst seit 4. Klasse.

    Und ich hab gegen die Schule/Lehrerin der ersten zwei Jahre anerzogen.
    „Hast du dein Bestes gegeben? Ja?“ „Gut, dann ist dir und mir die Note kackegal“
    „Hast du aufgepasst und mitgeabreitet?“ „Ja.“ „Gut, wenn du es dann nicht verstanden hast, dann ist dafür die LEhrerin verantwortlich und nicht du“
    „Findest du, die Note ist fair?“ „WUnderbar, dann ist es ja richtig – es geht ja darum, dass die Note darstellt, wie gut du das kannst. Nicht darum, die beste Note zu haben. Wenn du es nicht gut verstanden hast, weil die Lehrer es dir nicht gut beigebracht haben, dann ist das die richtige Note. Wenn du dein BEstes gegeben hast – dann sagt die Note was über die LEhrerin aus und nciht über dich“

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    • May schreibt:

      Danke für deinen Kommentar!

      Ich sehe das alles sehr ähnlich. Ich zeige Verständnis, dass das Lesen schwierig ist – aber erkläre, warum es wichtig ist. Ich setze (inzwischen) kleine Ziele – und eigentlich ist das Ziel nur, dass sie im Unterricht das Gefühl hat, mitzukommen. Und das gelingt immer besser.

      Und was die Motivation bzw. Noten angeht habe ich vor, es genauso zu machen. Das eigene Empfinden des Kindes und die Anstrengung wahrzunehmen und zu bestätigen, nicht die Note. Zum Glück gibt es Noten bei uns aber auch erst in der 3. Klasse, das ist noch etwas hin. Mal sehen, wie es bis dahin aussieht…

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  3. Birgit Schmidt schreibt:

    Hallo, Geduld nur Geduld…
    ich trau mich das jetzt fast nicht zu schreiben, da du das mit dem Abitur für deine Tochter geschrieben hast… Abitur, wenn es das Kind schafft und möchte kann man auch auf Schlängelwegen erreichen, dazu muss sie lesen (u.a.) können. Der Denkansatz von Montessori ist, das die Kinder es dann gut lernen, wenn es individuel der beste Zeitpunkt dafür ist… vielleicht ist es bei deiner Tochter später dran, weil sie über ganz andere Dinge philosophiert. Ich finde es für die ganze Familie belastend, wenn häufiger geübt wird, bis tränen kommen. Wäre es für euch schlimm, wenn sie in ihrem Tempo die erste Klasse mitmacht und dann möglicherweise diese wiederholt um alles gelernte zu verfestigen? Das sind die Grundlagen, die wir immer brauchen! Im Gegensatz zu Freunden finde ich dies nicht schlimm
    (es gab es schon vor 30 Jahren zu meiner Zeit, sie meinen das ist neu und der Druck so hoch)
    und habe meinen Sohn einschulen lassen obwohl wir nicht sicher waren / sind ob ein Jahr später besser ist – immer mit dem Hinweis, möglicherweise die 1. Klasse 2x zu machen. Das entspannt ennorm.
    Viel Kraft für den Euch eigenen Weg!
    Birgit

    Gefällt 1 Person

    • May schreibt:

      Liebe Birgit,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Jeder Denkanstoß hilft ja!

      Leider sehe ich die Option eine Klasse zu wiederholen für meine Tochter eher nicht als Weg. Sie ist jetzt schon 7 und damit eine der ältesten. Und sie kämpft ausschließlich mit dem Lesen. In anderen Fächern wie Mathe langweilt sie sich eher, das würde beim Wiederholen schlimmer werden. Was die anderen Kinder angeht, spielt sie eher mit den Zweitklässlern – mit den Jüngeren war es schon in der Kita schwierig, gemeinsame Interessen zu finden.

      Nachdem wir jetzt in den Ferien fast jeden Tag ein bisschen lesen geübt haben (was meist ohne Tränen gut geklappt hat), fühlt sie sich nach den Ferien auch schon sicherer. Also im Moment denke ich, der gerade Weg ist für sie der beste: Einfach Üben – in dem Tempo, in dem es für meine Tochter OK ist.

      Aber mal sehen, wie es in ein paar Wochen aussieht – ausschließen würde ich weder das Klasse wiederholen noch den Schulwechsel.

      Liebe Grüße,

      May

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