Mein Kind kann toll mit Geld umgehen

Eigentlich war das hier mein Beitrag zur Blogparade #gutgemacht (Was habe ich aus meiner Sicht besonders gut gemacht in der Erziehung) – aber weil ihr vielleicht weniger wissen wollt, was ich aus meiner Sicht toll gemacht habe, habe ich die Überschrift mal geändert, damit ihr gleich seht, worums geht.

Die Blogparade als Anlass, darüber nachzudenken.

Als von Séverine, der Mama on the rocks, der Aufruf zur Blogparade kam, kamen fast sofort von ganz tollen Müttern die Aussagen: „Das fällt mir ja schwer“ und „Ich denke immer, dass ich alles falsch mache“.

Das hat mich sehr überrascht. Weil die so toll sind. Und weil es mir nicht so geht. Obwohl bei uns so viel schwierig ist und falsch läuft, bin ich irgendwie tief in meinem Inneren davon überzeugt, dass ich so im Allgemeinen fast alles gut mache.

Obwohl mir sogar oft Kritik entgegen weht. Lehrer, die sagen, ich solle mehr mit meinem Kind üben. Großeltern, die sagen, ich verwöhne die Kinder zu sehr. Andere Eltern, die sagen, in so einem Chaos könnten sie ja nicht leben.

Und dann denke ich über die Kritik nach. Manchmal trifft sie mich. Manchmal ändere ich etwas.

Meist sage ich „Für uns ist es gut so wie es ist“ und meine es so.

Und ich glaube, das ist es, was ich gut mache. Auf mein Gefühl hören. Das machen, was sich für uns richtig anfühlt. Gegenwind aushalten. Und mir immer wieder durch meine selbstbewussten, glücklichen und mitfühlenden Kinder bestätigen lassen, dass es so richtig ist.

Ich könnte einen Roman darüber schreiben, was meine Kinder alles toll machen. Aber weil das ja keiner lesen will, greife ich einen Aspekt heraus, bei dem ich wirklich denke, hier haben wir vieles richtig gemacht:

Wie meine siebenjährige Tochter mit Geld umgehen kann.

Das mag erstmal komisch klingen, ausgerechnet Geld herauszugreifen, besonders, weil ich eigentlich Wert darauf lege, dass es aufs „Materielle“ nicht so ankommt. Aber genau das ist ein Aspekt davon, was sie gut macht, und daneben noch sehr viel mehr.

Also, was ist so toll?

Meine Tochter hat ein extrem gutes Gefühl dafür, was etwas wert ist. In Geld.

Wenn sie schätzt, was etwas kostet, liegt sie fast immer richtig. Von Lebensmitteln über Kleidung, Spielsachen bis hin zu Möbeln (Schrank: „So 400€“) und Dienstleistungen (Zahnarzt-Check: „So 100€“) und sie kann dabei sehr gut einschätzen, ob etwas teuer oder günstig ist.

Das finde ich gut, weil es bedeutet, dass sie auch den Wert einer Sache erkennt. Die Arbeit die dahinter steckt. Und dass sie diese schätzt.

Meine Tochter ist sparsam, ohne geizig zu sein.

Sie bekommt einen Euro Taschengeld in der Woche. Dazu manchmal etwas Geld von Oma und manchmal etwas Geld, wenn wir Spielsachen verkaufen. Also nicht besonders viel. Sie hat es so aber geschafft, sich über 100€ anzusparen. Sie gibt quasi kein Geld für Spielzeug aus („Weil ich habe ja schon alles, was ich brauche“), außer ab und zu mal (selten) ein neues Schleich-Tier. Aber: Sie gibt etwas dazu, wenn ihr Bruder sich etwas nicht leisten kann. Oder wenn ein Kind in der Schule kein Geld für den Kuchenbasar dabei hat. Oder wenn sie zum Beispiel möchte, dass ich etwas zu essen kaufe, was ihr besonders gut schmeckt.

Überhaupt, sie gibt Geld für Vergängliches aus.

Ja, sie kauft sich manchmal Essen. Ganz selten Süßigkeiten, aber auch manchmal Bohnen oder Oliven oder einen Smoothie. Weil sie es mag und es mir manchmal zu teuer ist. Das finde ich sehr erstaunlich, eben weil sie so genau weiß, dass die drei Euro für den Smoothie einem halben Schleichpferd entsprechen. Von dem Pferd hat sie länger etwas. Aber sie schafft es, den vergänglichen Moment zu schätzen. Sie hat sich auch schon von ihrem eigenen Geld Blumen gekauft, um sie sich auf den Schreibtisch zu stellen. Weil das schön ist. Sie überlegt ihr gespartes Geld für ein Erlebnis auszugeben „Weil das macht glücklich“. Sie hat so Recht!

Manchmal überlegt sie auch, sich etwas teureres anzuschaffen, aktuell einen Künstlermalkoffer für 35€, von dem ich und mein Mann der Meinung sind, sie braucht ihn nicht, denn sie hat ja schon unzählige Stifte und Farben (natürlich bekommt sie ihn doch zu Weihnachten, denn bei einem Kind, dass der Meinung ist, es hat schon alles, ist ein Weihnachtsgeschenk zu finden echt schwer), aber sie findet die unzähligen Hauttöne toll und dass es das Geld wert ist.

Oder sie überlegt weiter zu sparen, für „wenn ich mal ausziehe“, weil dann muss sie sich ja einige teure Dinge anschaffen (z.B. besagten Schrank, den sie auf 400€ geschätzt hat) und das ist so vorausschauend. Und zeigt eine so klare Vorstellung von der Zukunft. Sie plant auch schon in die Nähe ihrer besten Freundin zu ziehen, um sie dann ab und zu mal zum Essen zu treffen, wenn sie denn beide studieren. Obwohl sie niemanden kennt, der das so tut. Aber es ist ein schöner Plan, oder?

Ich finde es schön, dass diese Überlegungen, die sie sich macht, dazu führen, dass sie den eigentlichen Wert von Geld erkennt:

Wahlmöglichkeiten zu haben, teilhaben zu können, Momente genießen zu können, sich keine Sorgen zu machen. Nicht vorrangig, dass man sich schöne Dinge kaufen kann. All das weiß sie, mit 7. Ist das nicht toll? Haben wir das nicht gut gemacht, in dem wir es ihr so vorgelebt und erklärt haben?

Daneben führt ihr Geld-Verständnis auch zu einem guten Zahlen- und Mengen-Verständnis. „Wieviele Zwanziger sind 35€, Mama?“. Ich sage: „Ein Zwanziger, ein Zehner, ein Fünfer“. Sie erklärt ihrem Vater später, dass der Malkoffer „1 ¾ Zwanziger“ kostet. Zumindest um Mathe mache ich mir in der Schule keine Sorgen, auch wenn das normale Zählen bis 35 noch eher schwierig ist. Weil wir eben nie die klassischen Sachen mit ihr (auswendig) gelernt haben. Aber für mich ist dieses allgemeine Verständnis von Mengen, von Zusammenhängen, von der Welt, einfach viel wichtiger.

Das führt dann manchmal zu Problemen, beim Lesen lernen zum Beispiel. Und dann zweifele ich auch ein bisschen an mir, ob wir nicht weniger Welt und mehr Buchstaben hätten erklären sollen.

Aber dann gucke ich dieses Kind an, wie es Momente genießt, wie es mitfühlt und hilft, wie es die Welt verbessern will, wie glücklich es ist, fast immer, wie es sich Ziele setzt und verfolgt, die mir richtig erscheinen und dann denke ich: Das haben wir gut gemacht.

Nicht immer, wer schafft das schon, aber so ganz im Allgemeinen haben wir es gut gemacht.

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7 Gedanken zu “Mein Kind kann toll mit Geld umgehen

  1. MamaOTR schreibt:

    so schön geschrieben, in jeder Zeile ist Deine Liebe spürbar. Und Deine Tochter ist toll! Meine ist 8 und hat das mit dem Geld noch überhaupt nicht im Griff. Sie gibt immer alles sofort aus, was sie von den Grosseltern an Geld geschenkt kriegt /o\

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    • May schreibt:

      Der kleine Bruder macht das auch, gibt alles Geld sofort aus. Ich stehe dann daneben und wundere mich, weil ich es ja so nicht kenne. Und muss mir ins Gedächtnis rufen, dass er 4 ist. 4. Was erwarte ich?

      Also die Fähigkeit meiner Tochter ist ganz sicher nicht ausschließlich etwas, was wir gut gemacht haben, sondern auch ganz viel ihre Persönlichkeit. Und trotzdem glaube ich, dass wir ihr den richtigen Rahmen gegeben haben, um diese Fähigkeiten entwickeln zu können. Und das freut mich!

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  2. Julia schreibt:

    Wie schön! Ich finde das wahnsinnig weit für das Alter und es zeigt, dass sie einen guten Rahmen und tolle Vorbilder hat. Und außerdem zeigt es, wie unterschiedlich sich Kinder entwickeln, welch unterschiedliche Wege Familien gemeinsam gehen und welch wunderbare Fähigkeiten dabei entwickelt werden. Das ist so kostbar! So viel kostbarer als sich immer nur mit Defiziten zu befassen. Danke für euer Beispiel. ❤️
    Liebe Grüße
    Julia

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  3. sonjamarisa schreibt:

    Ich glaube, dass ganz viele von uns sich so unperfekt fühlen, wie du es am Anfang beschreibst. 🙂 Du machst das grandios! Und jeder hat nunmal seine eigene Art zu leben und zu erziehen. Wer das nicht akzeptieren kann und den Zeigefinger rausholt, der hat meiner Meinung nach etwas gründlich nicht begriffen. Toller Beitrag! Liebe Grüße, Sonja

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  4. januarmami schreibt:

    Das klingt ein wenig wie meine Kinder und ich bin auch immer erstaunt darüber wie „erwachsen“ sie damit umgehen. Wobei ich denke, das liegt wirklich an der guten Erziehung von guten Eltern!
    Ich erinnere mich an eine Bekannte, deren Tochter in die Klasse meines Sohnes geht. Anfang der 2. Klasse war in Mathe das Thema Geld. Sie regte sich auf, weil die Lehrerin kritisierte , dass ihre Tochter nicht weiß wie Geld aussieht. Das Kind konnte die Geldstücke nicht auseinander halten und wusste nicht wie Geldscheine aussehen. Sie fand, dass ihr Kind das nicht wissen müsste. Da sie ja alles bezahlt und ihr alles kauft. Taschengeld fand sie nicht sinnvoll.
    Meine Kinder bekommen Taschengeld und mit wenigen Einschränkungen können sie kaufen was sie wollen. Meistens ist es Süßkram oder Zeitschriften. Die Große gibt auch immer Geld dazu, wenn dem Kleinen noch 50 Cent fehlen und sie bieten auch oft an Geld dazuzugeben oder etwas selbst zu zahlen was sie haben wollen.
    Kinder die immer alles kriegen und nichts selber zahlen müssen lernen es nicht und stehen dann später blöd da, wenn sie auf eigenen Beinen stehen müssen.

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