Über gute und schlechte Kitas – meine Erfahrungen

Es ist für viele Eltern so schwer, überhaupt einen Kita-Platz zu finden. Was es noch schwieriger macht, ist, die eigenen Erwartungen, die einem auch schon schwer gefallen sind, zu formulieren, dann auch durchzusetzen.

Muss man heute nicht dankbar sein, überhaupt einen Platz zu bekommen?

Ich möchte in diesem Beitrag keine Kriterien auflisten, sondern meine Erfahrungen teilen. Meine Erfahrungen mit einer guten und einer schlechten Kita (Kita für Kindertagesstätte, also Krippe und Kindergarten) und was dieser Unterschied für meine Kinder bedeutet hat.

Worum es auch nicht gehen soll, ist die Frage, ob und ab wann ein Kind überhaupt fremdbetreut werden sollte. Oder vielleicht doch, am Rande. Für mich war immer klar, dass ich nach dem einen Jahr Elternzeit, in dem man gutes Elterngeld bekommt, wieder arbeiten würde. Weil mir mein Job Spaß machte, einerseits aber wichtiger tatsächlich: Weil ich zu dem Zeitpunkt besser verdiente als mein Mann, weil unserer gemeinsamer Traum ein Haus mit Garten war, in dem wir mit den Kindern wohnen wollten und dieser Traum mit einer längeren Elternzeit nicht finanzierbar gewesen wäre. Wir waren uns auch einig, dass eine gute Kinderbetreuung nicht schlecht für ein Kind ist.

Eine (gute) Kita in Berlin gesucht

Wie wenig Einfluss wir auf die Güte der Kinderbetreuung hätten, war wohl das, was wir am meisten unterschätzt haben.

Als das erste Kind unterwegs war, haben wir in Berlin Friedrichshain gewohnt, an der Grenze zu Prenzlauer Berg. An einem Ort, an dem es viele Kitas gab und noch mehr Kinder. Weil ich wusste, dass es mit dem Kita-Platz schwer sein würde, habe ich mich noch in der Schwangerschaft auf die Suche begeben. Erst im Mutterschutz allerdings, denn bei Vollzeit-Arbeit blieb vorher wenig Zeit. Zumal ich erst spät von der Schwangerschaft erfahren habe.

Mehr als ein Jahr bevor unser (noch ungeborenes) Kind in die Kita kommen sollte, hörte ich schon von einigen Kitas, dass ich ja „spät dran“ sei. Von anderen, dass sie keine Kinder auf die Warteliste setzen würden, die nicht geboren seien. Einige Kitas durfte ich kurz besichtigen, viele nicht. Ich hörte von einigen Kitas, dass sie keine Anrufe wollten, von anderen, dass man sich regelmäßig telefonisch melden solle. Alle diese Informationen trug ich in eine akkurat geführte Excel-Liste mit 30 Spalten ein. So hatte ich das Gefühl, etwas zu tun. Gleichzeitig spürte ich aber auch, dass ich keine einzige Kita so gut kennengelernt hatte, dass ich mein Kind da mit einem guten Gefühl hingeben würde. Dort, wo das Gefühl noch am Besten war, waren gleichzeitig die Aussichten gleich Null.

Es war ziemlich frustrierend. Nicht nur, aber auch aus diesem Grund, beschlossen wir, umzuziehen. An die andere Grenze von Prenzlauer Berg, Richtung Wedding. Weil die Mieten im „Brunnenviertel“ noch niedriger waren, die Aussicht auf den Mauerpark toll und direkt um die Ecke eine nette Kita lag. Die uns einen Besichtigungstermin ermöglichte. Die eine Leiterin hatte, die richtig nett war und sich Zeit für uns nahm, das erste Mal. Die Räumlichkeiten waren toll. Die Quote der Kinder mit Migrationshintergrund war hoch, aber das störte uns nicht. Die Kita schien uns bunt und schön.

Wir bekamen einen Platz.

Ein Jahr lang besuchte unsere Tochter diese Kita. Am Anfang bekam sie eine tolle Erzieherin, die aber leider sehr schnell schwanger wurde – die Suche nach Ersatz dauerte nur kurz und die beiden jungen, netten, engagierten Erzieherinnen, die dann kamen, waren super. Unsere Tochter liebte beide.

Leider waren aber beide häufiger krank. Die Gruppe wurde dann aufgeteilt, unsere einjährige Tochter war zusammen mit 20 anderen Kindern bei einer Erzieherin, die sie kaum kannte. Nach wenigen Monaten kündigten beide Bezugserzieherinnen, nach Querelen mit der Leiterin. Mit der Leiterin, die so nett gewesen war, zu uns. Unser Eindruck war im Nachhinein, dass sie überfordert war. Nett zu sein, heißt nicht unbedingt, dass man eine gute Leiterin ist. Vielleicht nahm sie zuviel Rücksicht auf die Eltern und zu wenig auf die Erzieherinnen? Die Details kennen wir leider nicht.

Recht schnell kamen dann zwei ältere, erfahrene, aber auch strenge Erzieherinnen. Gut, dass so schnell Ersatz da war. Aber das hieß, in 12 Monaten hatte unsere Tochter 5 verschiedene Bezugserzieherinnen und war häufiger bei anderen Erzieherinnen „untergebracht“. Das Wort passt in diesem Fall, denn eine echte Betreuung war bei einer Erzieherin auf 20 Kleinkinder unmöglich.

Obwohl außer den Erzieher-Wechseln nichts „vorgefallen“ ist, tut mir diese Zeit bis heute sehr leid. Auch, dass ich damals immer noch Vollzeit arbeitete und meine Tochter immer erst um 16 Uhr als eines der letzten Kinder abholen konnte. Ich werde das Bild nicht vergessen, wie sie auf dem Spielplatz steht, den Blick zum Tor gerichtet und auf mich wartet. Es lässt mein Herz noch heute schwer werden, 6 Jahre später. Ich frage mich oft, welche Spuren das bei ihr hinterlassen hat. Sie kann sich bewusst kaum erinnern. Aber die Verlustangst, unter der sie gerade so leidet, kann die nicht auch damit zusammen hängen, dass sie so oft Bezugspersonen verloren hat? Ich denke schon. Ich denke zwar auch, wir können das ausgleichen und für sie da sein, und ihr das Vertrauen zurück geben, darin, dass immer jemand für sie da ist, darin, dass alles gut werden wird. Aber es wäre einfacher gewesen, wenn sie diese Erfahrungen nicht gemacht hätte. Deshalb frage ich mich auch heute noch, ob ich das hätte sehen können, ob ich irgendetwas hätte anders machen können. Ich bin mir nicht sicher.

Aber ich habe immerhin erfahren, wie es besser geht.

Als wir umgezogen sind, in unseren Vorort, war ich wieder im Mutterschutz. Es war klar, wenn ich sowieso in Elternzeit bin, dann bleibt auch die Große erst einmal zuhause. Ich meldete sie aber für ein halbes Jahr später in allen Kitas im Ort an. Damit es wenigstens in einer klappt. Damit sie andere Kinder kennenlernt. Auch, damit der Kleine eine Chance auf einen Geschwisterplatz hat.

In einer der Kitas, einer katholischen, gab es eine offene Krabbelgruppe, die jeder besuchen durfte. Dort bin ich mit meiner Tochter (und bald auch mit dem neugeborenen kleinen Bruder) hingegangen. Das war super. Einmal, weil ich andere Menschen im Ort kennengelernt habe. Vor allem aber, weil ich die Kita kennengelernt habe. Weil ich jede Woche da war, konnte ich sehen, wie anders als in der ersten Kita die Erzieher mit den Kindern und vor allem miteinander umgingen. Wie anders die Atmosphäre war. Denn das ist etwas, das ist sehr schwer zu sehen, wenn man nur einmal einen einzigen Besichtigungstermin in einer Kita macht. Aber wenn man es wirklich jede Woche sieht, wie freundlich alle zueinander sind, wie positiv, auch wenn gerade niemand durchs Haus geführt wird, dann merkt man erst, was für einen Unterschied das macht.

Deshalb wollten wir unbedingt diese Kita für unsere Kinder. Obwohl wir irgendwas zwischen atheistisch, agnostisch und evtl. mit Spuren von evangelisch sind, aber eben kein Stück katholisch: Es musste diese Kita sein. Wegen der Menschen darin. Wegen der Leiterin, die streng ist und ein bisschen speziell und bei der man erst nach einer gewissen Zeit merkt, dass dahinter eine tiefe Liebe zum Beruf und zu Kindern steckt.

Wir haben nachgefragt, immer wieder. Am Ende war es knapp, aber wir haben den Platz bekommen.

Meine Tochter hatte dennoch wieder etwas Pech.

Weil ihre Bezugs-Erzieherin wieder mehrfach ausgefallen ist: Krankheit; Schwangerschaft, Fehlgeburt, erneute Schwangerschaft. Alles Dinge, für die niemand etwas kann. Die trotzdem doof sind, für ein Kind, dass schon so oft die Erfahrung machen musste, dass die Bezugspersonen in der Kita plötzlich wegfallen.

Was diesmal anders war: Es wurde aufgefangen. Durch das gesamte Team. Durch Springer, die immer da waren, durch die Leiterin und durch eine neue Erzieherin, die irgendwann kam. Das war dennoch nicht einfach, aber man (unsere Tochter genauso wie wir) fühlte sich zu jedem Zeitpunkt sicherer und aufgehobener als in der alten Kita.

Unser Sohn zog dann das große Los.

Er kam in der Krippe zu zwei Erzieherinnen wie aus dem Bilderbuch. Er ging von Anfang an gern hin. Als die eine Krippengruppe zu klein wurde, wurden die beiden Erzieherinnen getrennt und in der Gruppe unseres Sohnes entstand zeitweise eine Lücke. Diese füllte die Leiterin auf, die selbst in die Gruppe ging. Das mag andere Nachteile gehabt haben, denn auch Leitung ist ja Arbeit und einiges blieb sicher liegen, aber wir hatten wieder das Gefühl, sicher zu sein. Dieses Gefühl, dass man der Kita wirklich vertraut, dass man sicher ist: Die tun das Beste für die Kinder. Das kannten wir aus der alten Kita nicht. Das ist unbezahlbar.

Auch in der großen Gruppe, nach der Krippe, hat unser Kleiner wieder eine fantastische Erzieherin. Er geht gern hin. Wir sind glücklich. So fühlt es sich gut an, sein Kind wegzugeben. So haben wir das Gefühl, dass Kita eine Bereicherung für das Kind ist, nicht nur eine Möglichkeit für uns, zu arbeiten.

Und wir fragen uns immer wieder: Hätten wir das bei der ersten Kita schon haben können?

Wie hätten wir das vorher sehen können?

Wie hätten wir unserer Tochter das von Anfang an ermöglichen können?

Klar ist: So gut wie alle unsere Kriterien, die wir uns im Vorfeld zurechtgelegt hatten, erfüllt unsere Kita nicht.

  • Die Gruppen sind zu groß (eine Erzieherin für 16 Kinder).
  • Die Kita hat kein richtiges, durchdachtes, pädagogisches Konzept.
  • Vegetarisches Essen zu bekommen ist nicht möglich.
  • Das Essen ist weder selbstgekocht noch bio.
  • Die Kita ist nicht so offen und heterogen, wie wir uns das vorgestellt haben. Katholisch eben.
  • Die Öffnungszeiten sind nicht bis 18 Uhr.
  • Die Kita ist nicht flexibel bei individuellem Bedarf.

Aber: Das Wichtigste stimmt. Die Menschen.

Und egal wie lange wir darüber nachdenken: Uns fällt wenig ein, was wir beim ersten Mal hätten besser machen können. Weil wir keine Chance hatten, eine Kita so kennenzulernen, wie wir es beim zweiten Anlauf dann konnten. Weil es das Angebot von offenen Krabbelgruppen nirgendwo in unserer Umgebung gab.

Es war so schwer. Dieser Balanceakt aus „Begeisterung zeigen“, weil einen die Kita sonst sowieso nicht will und trotzdem irgendwie kritisch hinterfragen, für sich selbst. Wir kannten keine anderen Eltern aus der Umgebung, waren die ersten Freunde mit Kindern.

Aber wenn ich meinem früheren Ich einen Tipp geben sollte, dann diesen: Versucht noch mehr, solche Angebote zu finden. Nutzt sie.

Nutzt jede Chance, eure Wunschkita kennenzulernen.

Versucht, andere Eltern kennenzulernen. Besucht Kurse und nutzt Eltern-Angebote direkt in eurer Nähe, weil das die Chance erhöht. Heute würde ich spätestens ab dem Zeitpunkt der Bestätigung der Kita zu Abholzeiten davor stehen und andere Eltern ansprechen. Nach ihrer Meinung fragen.

Wobei man auch da Pech haben kann. Mir fallen Bekannte aus unserem jetzigen Ort ein die ihre Kinder in derselben Kita haben. Immer wieder regen sie sich auf, über die Kita. Über die mangelnde Flexibilität bei den Betreuungszeiten vor allem. Und sie haben Recht. Das nervt mich auch: Ich kann deren Tochter nie mitnehmen, weil die nur einen Betreuungsvertrag bis 15 Uhr hat, ich aber erst um 15.30 Uhr an der Kita bin. Und da gibt es dann keinen Weg. Das ist blöd.

Aber das ist halt nicht entscheidend. Mein gutes Gefühl dabei, mein Kind morgens an diesem Ort zu lassen, hängt nicht davon ab, dass ich das andere Kind mitnehmen kann. Sondern von den Mitarbeitern. Und die werden unter anderem dadurch geschützt, dass die Leiterin jede zusätzliche Aufgabe kategorisch ablehnt: Kein Kind darf länger betreut werden als laut Vertrag vorgesehen. Kein vegetarisches Essen, weil es den Aufwand erhöht. Das nervt und ja, gerade in letzterem Fall habe ich mir oft ein Umdenken gewünscht. Aber auf der anderen Seite: Die Erzieher waren eh am Anschlag. Der Betreuungsschlüssel ist hundsmiserabel. Die Leiterin hat das Beste daraus gemacht.

Meine Tochter hat das Fleisch jahrelang rauspicken müssen. Und ist trotzdem gern zur Kita gegangen. Ich will nicht sagen, dass alle anderen Punkte nicht wichtig sind. Das sind sie, eigentlich. Aber für uns war zu diesem Zeitpunkt nur noch wichtig, dass unsere Kinder gern in die Kita gehen. Nur: Hätten wir vor der Kita-Wahl genau diese Bekannten gefragt, sie hätten uns ein schlechtes Bild der Kita vermittelt.

Auch das ist also schwer. Meinungen unterscheiden sich. Ihr könnt nur versuchen, mehrere Menschen zu fragen. Nicht nur eine Meinung zu holen.

Versucht auf euer Gefühl zu hören (wobei das bei uns wirklich auch bei der ersten Kita gut war, das alleine ist es also auch nicht).

Und wenn ihr eine Kita gefunden habt, die ihr gut findet:

Lasst nicht locker.

Statt alle 30 Kitas in eurer Liste regelmäßig abzutelefonieren, konzentriert euch auf die, die ihr toll findet. Geht hin, immer wieder. Versucht andere Eltern kennenzulernen, die euch empfehlen können. Überzeugt die Kita davon, dass ihr von ihr überzeugt seid. Dass ihr diese wollt und keine andere.

Ich drücke euch die Daumen, dass ihr sie dann auch bekommt. Dass ihr eure Kinder mit einem so guten Gefühl dort abgeben könnt, wie wir es inzwischen tun.

Und wenn ihr dann das Glück habt, einen Platz in einer solchen Kita zu bekommen, dann bitte ich euch: Sagt Danke. Gebt dieses Gefühl zurück. Bestärkt Erzieher*innen und Leiter*innen in ihrer Arbeit. Schätzt diese wert. Ich glaube, dass das Kraft gibt, Kraft um weiter für unsere Kinder da zu sein.

Eine Bitte habe ich noch

Setzt euch für bessere Rahmenbedingungen in den Kitas ein. Ein besserer Betreuungsschlüssel (der auch die Notwendigkeit von Springern berücksichtigt), ein gutes, motivierendes Gehalt (auch während der Ausbildung) und regelmäßige Fortbildungen. Ich glaube, wenn das passen würde, wenn es genug gute, motivierte Erzieher*innen gäbe, dann wäre es für jede Kita einfacher, eine gute Kita zu sein. Dann wäre Luft und Kraft da, um auch Flexibilität und vegetarisches Essen (oder was auch immer euch sonst wichtig ist) anzubieten.

Denn am Ende ist es doch so: Wir brauchen nicht nur für unseres, sondern für jedes einzelne Kind, das so betreut werden soll, eine richtig gute Kita.

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4 Gedanken zu “Über gute und schlechte Kitas – meine Erfahrungen

  1. Mama Maus schreibt:

    Hallo,

    Du hast vollkommen recht mit einer Besichtigung oder einem Schnuppernachmittag kann niemand eine Kita einschätzen. Am Ende ist es Glück, ob die gut erscheinende Kita auch wirklich gut für das einzelne Kind ist.

    Deshalb freut es mich sehr, dass ihr bei eurer zweiten Kita so einen Glücksgriff gelandet habt.

    Viele Grüße
    Mama Maus

    Gefällt 2 Personen

  2. lottesmotterleben schreibt:

    Danke für den Artikel. Unsere erste Kita war top ausgestattet, klein, guter Betreuungsschlűssel. Ich hatte das Gefühl mein Kind in gute Hände zu geben.
    Jo, das Gefühl hat getrűgt. Da kamen Sachen ans Licht, an denen ich heute noch zu knabbern habe.

    Daher habe ich beide Kinder in meiner Einrichtung. Meinen Kolleginnen vertraue ich blind, es gibt zwar andere Probleme aber menschlich ist die Kita top.

    Egal wie genial sich ein Konzept liest, am Ende steht und fällt immer alles mit denen die dort arbeiten und die Kinder betreuen.

    Lieben Gruß ❤️

    Gefällt 1 Person

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