Kindergeburtstag mit der ganzen Klasse feiern – ja oder nein?

Es ist schon eine Weile her, dass wir den großen Kindergeburtstag gefeiert haben – und ich hab auch erst überlegt, ob es nicht eigentlich mehr ein Pinterest- oder Instagram-Thema ist. Da kann man dann lauter Fotos von glücklichen Kindern teilen und mehr braucht es eigentlich nicht.

Aber dann dachte ich mir, ich schreibe doch einen Artikel. Falls mal jemand von euch überlegen sollte, so etwas zu tun. Was dafür spricht. Und was dagegen. Und was man vielleicht beachten sollte.

Die Gründe dafür

Warum haben wir das gemacht? Mehr als 20 Kinder eingeladen, obwohl schon ein normaler Kindergeburtstag anstrengend ist?

Der Gedanke kam, als ich irgendwo mal gelesen habe, dass das in Dänemark üblich wäre. Um kein Kind auszuschließen. Ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt stimmt, aber der Gedanke gefiel mir. Niemanden ausschließen, gerade am Anfang, zu Beginn der 1. Klasse, wenn alle sich noch finden müssen. Für ein positives Erlebnis am Anfang sorgen, bei dem alle dabei sein können. Meine Tochter, für die der Schulstart ja schwer war, hat es sich dann, nachdem ich die Möglichkeit mal in den Raum geworfen hatte, auch gewünscht. Also dachte ich: Gut, dann ziehen wir das jetzt durch. Kann ja so schlimm nicht werden.

Was ich unterschätzt habe

Eigentlich alles. Am schlimmsten, wie wenig Kontrolle ich hatte. Ich habe nicht für möglich gehalten, wie unmöglich es ist, einer Gruppe von 20 feierwütigen 6-8jährigen auch nur eine Ansage zu machen. Wie laut man schreien muss. Wie schwer die auch nur alle an einem Ort bleiben. Ich habe es gerade so geschafft, die wichtigsten Regeln rauszuschreien (nicht mit mehr als 3 Kindern aufs Trampolin! Keiner verlässt das Grundstück! Macht nichts, was gefährlich ist!), mehr war nahezu unmöglich.

Was es besonders schwer machte: Ich war alleine mit der Bande. Das war anders geplant. Ich hatte mir von vornherein den Tag frei genommen. Am Nachmittag, wenn ich die Kinder aus der Schule abholen wollte, wollte dann mein Mann dazu kommen. Aber es kam anders: Ausgerechnet an diesem Tag wollte der wichtigste Kunde in einem Riesenprojekt ein spontanes Meeting, es dauerte länger, er konnte nicht kommen. Eine Mutter begleitete mich von der Schule nach Hause, so dass wenigstens der Weg sicher war, aber dann war ich halt allein.

Das ging am Anfang ganz gut. Erst wurden die Geschenke ausgepackt. Meine Ansage war eigentlich gewesen: Geschenke sind nicht nötig. Wenn man etwas schenken möchte, tut es auch etwas Gebrauchtes oder ähnliches. Das haben 2-3 Eltern berücksichtigt, ein Kind hat ein gemaltes Bild geschenkt, zwei etwas Gebrauchtes. Alle anderen dann doch etwas richtiges, neues im Wert von so 10-15€. So saß meine Tochter dann gefühlt ewig in einem Riesenhaufen Geschenke. Darunter ganz viel „Mädchenkram“, von Frozen über Lillifee, was sie gar nicht mag. Das war Verschwendung und vermeidbar. Das nächste Mal würde ich entweder eine Sache, für die alle zusammenlegen können, nennen, oder noch direkter sagen, dass wirklich nichts geschenkt werden soll.

Dann wurde gegessen und danach habe ich die Kinder zusammengetrommelt, um die Schatzsuche zu machen. Leider war der Schatz nach 2 Minuten gefunden. Gut, dass ich noch eine Pinata vorbereitet hatte! Leider hatte ich auch hier die Kinder unterschätzt: Die Pinata war nach 3 Kindern und 3 Minuten am Boden.

Es war gerade einmal eine Stunde Kindergeburtstag rum und alles, was ich noch als Programm überlegt hatte, war ein Lagerfeuer. Auf das sich auch alle freuten. Die Kinder fingen auch prompt an, Feuerholz zu sammeln. Und hatten dabei Riesenspaß. Altes Holz kann man bei uns viel finden. Sie errichteten riesige Haufen.

Aber eigentlich war das eine Unmöglichkeit, alleine. Von einem angezündeten Feuer konnte ich ja nicht weg. Aber mangels Alternativen zündete ich es trotzdem an. Und ging halt nicht weg. Aber andauernd wollte ein Kind irgendwas. Damit umzugehen war schwer. Ich habe das Feuer nicht verlassen und immer nur die Kinder selbst zu Lösungen aufgefordert. Ging irgendwie, auch wenn danach ein paar Dinge verschwunden waren und ein paar Ecken chaotischer als gedacht: Egal!

Als die ersten Eltern zum Abholen kamen, habe ich sie Wachen am Lagerfeuer schieben lassen – um dann die abzuholenden Kinder zu suchen. Auch so eine Sache: Ich wusste nicht, wo alle Kinder sind. Keines verließ das Grundstück (zum Glück komplett eingezäunt), aber in den Augen behalten konnte ich die Kinder nicht. Was mir vor den Eltern schon unangenehm war. „Ich bin da, um Max abzuholen“. Ah ja, wer ist Max? Und wo ist Max? Wir haben Max natürlich gefunden und alle anderen Kinder auch. Es ist nichs passiert. Außer, dass ich mehrmals im Boden versinken wollte.

Also wenn ihr sowas vorhabt: Plant mindestens zwei Erwachsene ein. Überlegt euch einen Notfallplan, falls ein Erwachsener ausfällt. (Z.B. welche Eltern könntet ihr ggf. bitten zu bleiben?)

Das mit den Programmpunkten habe ich schon erwähnt. Plant Schatzsuchen etc. schwerer. Viele Kinder entdecken einen Schatz gemeinsam schneller.

Die Sache mit der Kommunikation habe ich auch unterschätzt. Bei 20 Geburtstagsgästen, die man fast alle nicht kennt, gibt es nicht nur einige Abfragen von Wünschen, sondern auch einige Infos zu Allergien, aktuellem Stand der Möglichkeit zu kommen, Wünschen nach späteren Abholzeiten etc. Das Kommunizieren rund um den Geburtstag hat glaube ich mehr Zeit gekostet als der Geburtstag selbst. Positiv gesehen könnte ich sagen, ich habe darüber die anderen Eltern kennengelernt. Aber ganz ehrlich: Ich habe bei den wenigsten noch eine Idee, wer es war.

Was gut lief

Bis auf den permanenten Stress, den ich mir gemacht habe, eigentlich alles. Es war ein schöner Geburtstag, sehr. Ja, der Schatz war viel zu schnell gefunden, ja, die Pinata viel zu schnell zerstört, aber die Kinder hatten dann stundenlang Riesenspaß beim Feuerholz sammeln. Vielleicht, weil sie so waldähnliche Gärten wie unseren sonst nicht gewöhnt sind, in unserem Vorort, vielleicht, weil sie dabei stark sein konnten (ich habe mich beim Baumstämme wieder zurückschaffen schwer getan), vielleicht, weil es für ein Feuer war, vielleicht gerade, weil es so unkontrolliert war. Was mich so gestresst hat.

Die Kinder hatten Spaß. Das Essen (vor allem gekauft, wenig selbst gemacht) hat den Kindern geschmeckt und war ausreichend (das nächste Mal: Gar nicht selbst backen, mehr Donuts kaufen), kein Elternteil hat offen Kritik geäußert (versteckt? Vielleicht), viele sind noch ein wenig geblieben und haben mit ihrem Kind am Lagerfeuer gestanden.

So habe ich ein paar Eltern wirklich ein bisschen kennengelernt. Und vor allem eben die Kinder. Nicht alle habe ich mir gemerkt, aber bei vielen habe ich jetzt nicht nur ein Gesicht zum Namen, wenn meine Tocher etwas aus der Schule erzählt, sondern auch ein Bild vom Charakter des Kindes. Das Mädchen, das ununterbrochen redet. Der Junge, der sich nicht so gut ausdrücken kann und mit dem umzugehen deshalb eher schwierig ist. Der Junge, der gern den Clown spielt. Das Mädchen, das gern etwas abseits ist. Die Kinder zu kennen ist toll.

Toll für mich war auch, dass ich es geschafft habe, alle Konflikte zu lösen. Den Kindern, die andere gehänselt und ausgegrenzt haben, zu sagen, warum das nicht geht und Verständnis zu bekommen. Den Jungen, der sich nicht ausdrücken kann und deshalb die anderen Kinder, die ihn gehänselt haben, gehauen hat, aus dem Gebüsch wieder hervorzulocken. Ihm etwas Selbstvertrauen zu geben. Ihn kurz danach als Teil der Gruppe zu sehen. Insbesondere für diese Kinder habe ich es mich getraut, alle einzuladen. Weil das die Kinder sind, die sonst vielleicht keine Einladung bekommen.

Würde ich es wieder tun?

Ich glaube, der Geburtstag hat allen Kindern gefallen. Er hat meiner Tochter in den Tagen (und Wochen) der Vorbereitung den schwierigen Schulstart erleichtert. Er war bestimmt auch nicht schlecht für die Klassengemeinschaft. Und ich glaube wirklich, für einige Kinder, die vorher eher angeeckt sind und außen vor waren, aber während der Feier (und vielleicht auch danach?) ein Teil der Gruppe, auch für diese Kinder könnte dieser Geburtstag einen Unterschied gemacht haben, was den Schulstart angeht. Aus diesem Grund würde ich es wieder tun.

Das nächste Mal ein bisschen besser gewappnet.

Und ihr?

Könntet ihr euch auch einen Geburtstag mit der ganzen Köasse vorstellen? Oder habt ihr sogar schonmal einen gefeiert? Habt ihr noch Tipps dafür?

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5 Gedanken zu “Kindergeburtstag mit der ganzen Klasse feiern – ja oder nein?

  1. Frau Traumenit schreibt:

    Obwohl du zu recht sicher sehr gestresst warst, musste ich ein wenig schmunzeln ^^
    Ich finde deine Idee alle einzuladen einfach richtig gut! Ich weiß noch, dass es mich als Kind gestresst hat, jemanden nciht einzuladen (weil einfach kein Platz da war) oder nicht eingeladen zu werden.

    Als Tipp hätte ich nur Namensschilder basteln. Dann hast du einen Programmpunkt und weißt, wie die Kinder heißen. Du könntest auch Stationen erstellen: an einer kann man malen, an der anderen basteln, bei der dritten spielen und bei der vierten eine Pause machen. Dann hättest du fünf Kinder pro Gruppe und lässt alle nach 30 Minuten oder so wechseln. Kleingruppen sind oft besser zu organisieren (ist aber auch sehr schulmäßig^^“)

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  2. samybee schreibt:

    Hier sind Geburtstage mit der ganzen Klasse normal, aber keiner macht die bei sich zuhause. Man bucht einen Veranstaltungsort, dort gibt es dann Betreuer für die Gruppe und auch Essen wird dort bereit gestellt. Und es dauert nur 2 Std. Wenn ein Geburtstag mal zuhause gefeiert wird, dann werden nur die Freunde des Kindes eingeladen.
    Tapfer, dass Du das durchgezogen hast. Wollte Dein Kind mit allen feiern? Meine wollen lieber mit wenigen feiern, mit denen sie sich dafür aber richtig gut verstehen und dann gerne mit Übernachtung…

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    • May schreibt:

      Ach echt, mit allen irgendwo anders feiern? Das habe ich hier noch nie gehört… werden die Kinder dann auch direkt dorthin gebracht bzw. dort abgeholt? Das stelle ich mir sonst schwer vor.

      Doch, meine Tochter wollte das so. Sie kannte die meisten anderen Kinder ja noch nicht, es war zu Beginn der 1. Klasse. Ich denke aber, sie wird das nächstes Jahr nicht nochmal wollen. Der kleine Bruder aber dann, wenn er in die Schule kommt. Ich plant das jetzt schon.

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      • samybee schreibt:

        Ja, sie werden direkt dorthin gebracht und dort abgeholt. Hier gibt es quasi eine ganze Industrie um Kindergeburtstage. Indoorspielplätze, Kletterpark, Sportstudios, Hallenbäder… wer Platz und Personal hat, bietet auch Kindergeburtstagsfeiern an. Und eben nicht nur einen Platz zum Feiern, sondern auch die Betreuer dazu. Das macht große Kindergeburtstage echt entspannt

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  3. mamiexmachina schreibt:

    In der Klasse meiner Großen ist es nicht unüblich alle Kinder einzuladen. Auch meine Große besteht darauf alle einladen zu dürfen. Zu den Schulfreunden kommen dann noch ein paar andere Freunde dazu. So landen wir meist bei 30 – 35 Kindern. Mein Mann und ich bekommen aber immer Unterstützung von der Oma und ein bis zwei Freundinnen. Am stressfreisten sind meiner Erfahrung nach Party im Freien, deshalb mieten wir meist eine Location mit Garten und idealerweise Spielplatz.

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